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Der DOSB - wie funktioniert der eigentlich?

Im zweiten Teil unserer Serie „20 Jahre DOSB“ beleuchten wir das Organigramm des Dachverbands. Daniel Marchi, Referent des Vorstandsvorsitzenden und profunder Kenner unserer Strukturen, erläutert diese und ihre Funktionen.

DOSB Redaktion
DOSB Redaktion

13.01.2026

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Welches Selbstverständnis wir, der Deutsche Olympische Sportbund, haben, ist auf unserer Homepage zu lesen: „Wir sind die Stimme des Sports in Deutschland. Wir engagieren uns für den Vereinssport und für alle, die unsere Liebe zum Sport teilen. Wir stehen für die Olympische Idee und sind Teil der Olympischen und Paralympischen Bewegung“, steht dort geschrieben. Als Dachverband des organisierten Sports in Deutschland sind wir für 103 Mitgliedsorganisationen, für 29,3 Millionen Mitgliedschaften in rund 86.000 Vereinen verantwortlich. Aber wie funktioniert der DOSB? Welche Gremien und welche Fachressorts gibt es, und wie hängen die einen mit den anderen zusammen? Anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens, das wir am 20. Mai feiern, haben wir im Rahmen unserer Serie „20 Jahre DOSB“ Daniel Marchi gebeten, Aufklärung zu leisten. Der 33-Jährige ist Referent des Vorstandsvorsitzenden und als Projektleiter Mitgliederversammlung ein profunder Kenner der DOSB-Strukturen.

Die beiden Kernaufgaben des DOSB, dessen Rechtsform der eingetragene Verein ist, sieht der frühere Mittelstreckenläufer im Interessenausgleich nach innen und der Interessenvertretung nach außen. „Unser Auftrag besteht darin, eine einheitliche Stimme des Sports zu schaffen. Dafür müssen wir die verschiedenen Strömungen im organisierten Sport bündeln und unsere Anliegen geschlossen in der Öffentlichkeit vertreten. Hierfür braucht es klare Botschaften, Empathie und Führungsverantwortung“, sagt er. Die Governance des DOSB ist demokratisch aufgebaut und beruht auf drei zentralen Organen: der Mitgliederversammlung, dem ehrenamtlichen Präsidium und dem hauptamtlichen Vorstand. Kurz gesagt legt die Mitgliederversammlung den normativen Rahmen fest, das Präsidium entwickelt hieraus strategische Leitlinien und der Vorstand setzt diese operativ um. Die dahinter liegenden Prozesse sind in der Satzung geregelt und legen fest, wie Entscheidungen getroffen, Verantwortlichkeiten verteilt und Risiken überwacht werden.

Die Souveräne des DOSB sind unsere Mitglieder

Die Souveräne des DOSB sind die Mitglieder, die auf der einmal jährlich stattfindenden Mitgliederversammlung (traditionell am ersten Samstag im Dezember) über alle wegweisenden Themen abstimmen - zuletzt über die DOSB-Ziele 2035 und den Entscheidungsweg zur Auswahl des nationalen Kandidaten für unsere Olympiabewerbung. Die 103 Mitgliedsorganisationen unterteilen sich in sogenannte „Verbändesäulen“ - Spitzenverbände mit 42 olympischen und 28 nichtolympischen Fachverbänden, Landessportbünde (16) und Verbände mit besonderen Aufgaben (17). Delegierte dieser Organisationen üben im „Parlament des deutschen Sports“ ihre Stimmrechte aus und sichern so die Partizipation der einzelnen Anspruchsgruppen. Während der Deutsche Fußball-Bund als mitgliederstärkster Verband im DOSB insgesamt 18 Stimmen dank acht Millionen eigener Mitgliedschaften auf sich vereint, hat das jüngste DOSB-Mitglied, der Deutsche Fallschirmsport Verband, mit gut 11.000 Mitgliedschaften eine Stimme.

Ebenfalls stimmberechtigt sind die Persönlichen Mitglieder; eine Gruppe aus bis zu 15 Personen (aktuell zwölf) aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, die mit ihrer Expertise und Sichtbarkeit als Multiplikator*innen für DOSB-Themen wirken. Hierzu zählen aktuell die Olympiasieger*innen Kristina Vogel und Moritz Fürste, Monoski-Legende Anna Schaffelhuber, Yusra Mardini aus dem ersten olympischen Flüchtlingsteam und die „Wirtschaftsweise“ Prof. Dr. Veronika Grimm. Gemeinsam mit dem Präsidium werden sie für eine vierjährige Legislatur gewählt, das nächste Mal wieder im Dezember dieses Jahres.

Seit der DOSB im Mai 2006 aus der Fusion von Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) hervorgegangen ist, arbeitet das Präsidium komplett ehrenamtlich. Dies wird sich vom kommenden Jahr an ändern, nachdem die MV im Dezember 2025 dafür stimmte, den Präsidenten mit einem Monatssalär von 2.000 Euro und die Vizepräsident*innen mit je 1.000 Euro zu entschädigen. Erster Präsident war Thomas Bach, der im September 2013 an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wechselte und sein Amt deshalb niederlegte. Kommissarisch übernahm Hans-Peter Krämer, bis im Dezember 2013 Alfons Hörmann zum Nachfolger gewählt wurde. Seit Dezember 2021 amtiert unser aktueller Präsident Thomas Weikert, der hauptberuflich als Fachanwalt für Familienrecht in Limburg arbeitet.

  • Daniel Marchi

    Alles in allem verstehen wir uns im DOSB als Servicedienstleister: Wir setzen uns für mehr Bewegungszeit der Bevölkerung ein und wollen Spitzenleistungen unserer Athlet*innen möglich machen.

    Daniel Marchi
    Referent des Vorstandsvorsitzenden
    Deutscher Olympischer Sportbund

    Das Präsidium verantwortet die strategische Ausrichtung des Dachverbandes, bestellt den hauptamtlichen Vorstand und überwacht dessen Arbeit. Das ehrenamtliche Team um Präsident Weikert bilden die fünf Vizepräsident*innen Verena Bentele, Prof. Dr. Martin Engelhardt, Kerstin Holze, Jens-Peter Nettekoven und Miriam Welte. Hinzu kommen Mareike Miller als gewählte Vertreterin der Athlet*innen und Stefan Raid als Vorsitzender der Deutschen Sportjugend (dsj). Darüber hinaus gehören die deutschen IOC-Mitglieder Kim Bui und Michael Mronz für die Dauer ihrer IOC-Mitgliedschaft dem Präsidium an. An den mindestens quartalsweise stattfindenden Präsidiumssitzungen nimmt der Vorstand mit beratender Stimme teil. 

    Zur Umsetzung der Beschlüsse aus Mitgliederversammlung und Präsidium leitet der fünfköpfige Vorstand die operative Geschäftsstelle in Frankfurt am Main mit knapp 230 Mitarbeitenden. Jeden Dienstag um 9 Uhr findet eine Vorstandssitzung statt. Vorstandsvorsitzender ist seit September 2025 Otto Fricke. Unter seinen Geschäftsbereich fallen das Exekutivbüro, die Verbandskommunikation, die Ressorts Olympiabewerbung und Internationales sowie die beiden Hauptstadtbüros in Berlin und Brüssel.

    Vorstand im Geschäftsbereich Leistungssport ist seit April 2023 Olaf Tabor, der die Ressorts Verbandsberatung und Sportförderung, Gesundheitsmanagement, Wissenschaftliches Verbundsystem, Personalentwicklung Leistungssport und Duale Karriere sowie Nachwuchsleistungssport und Games Management verantwortet. An dieser Stelle wird die Rolle des DOSB als Nationales Olympisches Komitee sichtbar: Der Vorstand nominiert die Athlet*innen und Betreuer*innen von Team Deutschland zur Entsendung und Betreuung bei Olympischen Spielen, World Games und Kontinentalspielen. 

    Vorstand besteht aus fünf Personen

    Michaela Röhrbein leitet seit April 2022 als Vorständin den Geschäftsbereich Sportentwicklung. Diesem gehören die Ressorts Sportstätten und Umwelt, Breiten- und Gesundheitssport, Bildung und Engagement, Schutz vor Gewalt, Demokratieförderung und Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion sowie Integration durch Sport an. Dienstältester Vorstand ist Thomas Arnold, der den Bereich Finanzen seit DOSB-Gründung anführt. Ihm zugeordnet sind die Ressorts Finanzen und Controlling, Personal, Verwaltung und Organisation, Justiziariat, IT und Digitalisierung. Seit April 2023 bekleidet Leon Ries den Posten des Vorstands Jugendsport, zuständig für die Ressorts Finanzen und Zuwendungen, Gesellschaftspolitik, internationale Jugendarbeit sowie junges Engagement und Bewegung.

    Eine besondere Stellung im DOSB-Organigramm hat die Athlet*innenkommission. Ihre Aufgabe besteht darin, die Interessen der Bundeskaderathlet*innen bei DOSB-Entscheidungen zu vertreten und Impulsgeber für athlet*innenrelevante Themen zu sein. Die Kommission wird von der Vollversammlung aller Athlet*innenvertretungen der 70 Spitzenverbände gewählt und ist im Präsidium sowie der Mitgliederversammlung stimmberechtigt. Nachgelagert können Präsidium und Vorstand weitere Beiräte oder Kommissionen zur Beratung in sportpolitischen oder fachlichen Fragen berufen. Hierunter fallen beispielsweise der Menschenrechtsbeirat, die Finanzkommission oder der neu gegründete Think Tank Leistungssportentwicklung. Bei Hinweisen auf Verstöße gegen Good-Governance-Regeln können die unabhängige Ethik-Kommission sowie die externe Ombudsstelle eingeschaltet werden.

    Als 100-prozentige DOSB-Wirtschaftstochter trägt die Deutsche Sport Marketing (DSM) essenziell zur Finanzierung des Dachverbandes bei, die sich aus Vermarktungslizenzen, Mitgliederbeiträgen und Lotterieeinnahmen speist. Die DSM koordiniert die Vermarktung von Team Deutschland und des Sportabzeichens, betreibt das Deutsche Haus bei Olympischen Spielen und produziert über die Plattform Team D Studios hauseigenen Content, um die Sichtbarkeit von Sportler*innen zu steigern. 

    „Alles in allem verstehen wir uns im DOSB als Servicedienstleister“, sagt Daniel Marchi, „wir setzen uns für mehr Bewegungszeit der Bevölkerung ein und wollen Spitzenleistungen unserer Athlet*innen möglich machen.“ Dazu leisten alle Gremien, Fachressorts und Mitarbeitenden ihren Beitrag - seit nunmehr fast 20 Jahren und mit der Vision, Deutschland in den kommenden 20 Jahren mithilfe Olympischer und Paralympischer Spiele im eigenen Land fit zu machen.

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