Digitalisierung und KI im Sport – Innovation mit Verantwortung
Im fünften Teil unserer Serie „20 Jahre DOSB“ betrachten wir die Digitalisierung im Sport, welche Herausforderungen und welche Chancen künstliche Intelligenz für den Sport birgt und warum Innovation und Wertebewahrung nicht im Widerspruch stehen.

03.02.2026

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind längst im Sport angekommen. Sie prägen Trainingsmethoden, Organisationsstrukturen und Verwaltungsprozesse im Breiten- wie im Leistungssport. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Transparenz, Datenschutz und ethische Verantwortung. Eine zentrale Frage ist: Kann Fortschritt und Innovation gelingen bei gleichzeitiger Wertebewahrung?
„Der Wandel ist sehr heterogen“
Der organisierte Sport in Deutschland ist historisch gewachsen und entsprechend vielfältig aufgestellt. Die mehr als 86 Tausend Sportvereine sowie die Sportverbände und Landessportbünde unterscheiden sich stark in Größe, Struktur und Ressourcen. Entsprechend verschieden ist auch der Stand der Digitalisierung. Während einige Organisationen bereits datenbasiert arbeiten und digitale Plattformen nutzen, stehen andere noch am Anfang. „Doch der Austausch und die Kooperation wachsen“, berichtet Morten Pohl, Prozessmanager Digitalisierung und KI beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). „Beides ist enorm wichtig, denn durch den inhaltlichen Austausch verbreiten sich erfolgreiche Konzepte und ersparen vor allem im Ehrenamt wertvolle Arbeitszeit.“
Chance für den Breiten- und Leistungssport
Die Potenziale von Digitalisierung und KI zeigen sich je nach Bereich unterschiedlich. Im Leistungssport ermöglichen datenbasierte Anwendungen eine präzisere Trainingssteuerung, gezielte Talententwicklung und verbesserte Verletzungsprävention.
Im Breitensport hingegen stehen andere Ziele im Vordergrund: organisatorische Entlastung, niedrigere Zugangshürden und nutzerfreundliche digitale Angebote. Genau hier setzt Matthias Hübner an. Als Leiter der Digitalisierung bei SPORTDEUTSCHLAND verantwortet er zentrale Digitalprojekte im organisierten Sport. „Was wir im Breitensport beobachten, ist eine große Vielfalt an digitalen Lösungen“, sagt Hübner. „Erfolg stellt sich dann ein, wenn wir Standards schaffen, Kooperationen stärken und alle Beteiligten aktiv einbinden.“
Ein entscheidender Faktor dabei ist das Datenmanagement. „Datenmanagement ist das Rückgrat einer gelungenen digitalen Transformation. Richtig eingesetzt schafft es Mehrwert auf mehreren Ebenen: Es vereinfacht Verwaltungsprozesse, ermöglicht Analysen zur Mitgliederentwicklung oder Ehrenamtsstruktur und fördert die Vernetzung von Plattformen über Verbandsgrenzen hinweg“, berichtet Hübner. „Gemeinsame Schnittstellen und Standards erleichtern die Arbeit aller Akteure - vom Ehrenamt bis zur Verbandsebene“, betont er. Gleichzeitig entstehen belastbare Grundlagen für strategische Entscheidungen im Breitensport. Voraussetzung dafür ist jedoch ein verantwortungsvoller Umgang mit sensiblen Daten.
Das Sportabzeichen als Vorzeigeprojekt
Ein wichtiges Beispiel für die gelungene Digitalisierung im Breitensport ist die digitale Weiterentwicklung des traditionsreichen Sportabzeichens. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Akteure und die klare Strukturierung von Datenmanagement, hat sich eine nutzerfreundliche „All-In-One“-Plattform entwickelt. „Mit der Sportabzeichen-Plattform wollten wir zeigen, dass Tradition und Innovation nicht im Widerspruch stehen, sondern sich gegenseitig ergänzen können“, betont Matthias Hübner. Eine wichtige Stärke des Projekts lag darin, sowohl digitale als auch klassische Prüfungsformate anzubieten, sodass alle Nutzergruppen aktiv eingebunden werden.
Digitalisierung erfordert Zusammenarbeit
Der Erfolg der Digitalisierung im deutschen Breitensport hängt maßgeblich von der Kooperation aller Akteure ab. Die Community SPORTDEUTSCHLAND Digital unter Organisation des DOSB hat sich dabei auf die Vernetzung und die Entwicklung gemeinsamer Standards konzentriert. „Diskussionen über Herausforderungen und Chancen müssen immer von einer breiten Basis getragen werden. Lösungen entstehen durch Austausch und einheitliche Richtlinien“, erklärt Matthias Hübner. Ziel ist es, gemeinsame Lösungen zu entwickeln, die dem Breitensport auf allen Ebenen zugutekommen.
Wichtig ist, dass die Daten intelligent, transparent und datenschutzkonform genutzt werden. „Es ist nicht ausreichend, nur Technologien zu entwickeln. Wir müssen Vertrauen schaffen - durch klare Kommunikation, offene Prozesse und Standards.“ Digitalisierung bleibt ein Balanceakt zwischen Fortschritt und Wertebewahrung.
Die Rolle der Sportverbände
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Rolle der Verbände zusätzlich an Bedeutung. Steigende administrative Anforderungen und begrenzte personelle wie finanzielle Ressourcen prägen den Alltag vieler Vereine. Digitalisierung kann helfen, Prozesse effizienter zu gestalten. „Verbände wie der DOSB haben dabei auch eine Vorbildfunktion: Sie müssen Standards setzen, Orientierung geben, Vereine unterstützen und zugleich auch Mut zur Innovation zeigen“, erklärt Morten Pohl. Klar ist für den Dachverband des deutschen Sports aber auch, wo Grenzen verlaufen: „KI soll Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Die Entscheidung und die finale Verantwortung müssen immer beim Menschen liegen.“
Mitgestalten statt zurückhalten
„Vor allem vor dem Umgang mit künstlicher Intelligenz schrecken Viele zurück“, sagt Morten Pohl. Oft überwiegen Bedenken über den Datenschutz sowie über fehlende Transparenz oder Chancengleichheit. „Doch nur durch aktives Mitgestalten können wir mitwirken regulierend, ethisch korrekt und wertebewahrend mit künstlicher Intelligenz zu arbeiten. Die Entwicklung wird weiter fortschreiten. Doch nur wenn wir sie aktiv mitgestalten, kann sie das auch entsprechend unserer Werte.“





