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Ein Buch, das mich wegen seines Sportbezugs interessiert hat

Lisa Mayer (29), Bronzegewinnerin bei Olympia in Paris mit der 4x100-Meter-Sprintstaffel, gibt in ihrer Kolumne Literaturtipps und empfiehlt diesmal „Gym“ von Verena Keßler.

DOSB Redaktion
DOSB Redaktion

26.01.2026

Lisa Mayer
Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin Lisa Mayer gibt in ihrer Kolumne Literaturtipps.

Warum dieser Autor und dieses Buch?

Zum Jahresende wurde der Roman „Gym“ von Verena Keßler gefühlt von jedem zweiten „Buch-Influencer“ als eines DER Bücher des Jahres 2025 empfohlen. Der Titel und die Assoziation mit dem Thema Sport machten mich natürlich neugierig. Zudem lese ich grundsätzlich gern Bücher deutscher Autor*innen. Verena Keßler ist 1988 in Hamburg geboren und hat am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert.

Worum geht es?

Im Mittelpunkt des Romans steht eine junge Frau, die sich auf der Suche nach einem neuen Job in einem Fitnessstudio vorstellt. Nur mithilfe einer Notlüge erhält sie die Stelle: Sie behauptet, erst vor sechs Wochen ein Kind entbunden zu haben. Obwohl Sport und Fitness bisher keine Rolle in ihrem Leben gespielt haben, wird sie schnell in einen fast krankhaften Wahn von Selbstoptimierung, Kontrolle und Leistungsdruck hineingezogen. Gleichzeitig droht ihr fragiles Lügenkonstrukt jederzeit aufzufliegen.

Womit punktet das Buch besonders?

Mir hat zum einen die ungewöhnliche Kulisse gut gefallen. Selten steht eine Sportstätte so zentral im Mittelpunkt eines Romans. Das Fitnessstudio erweist sich als authentische und äußerst passende literarische Bühne für den dargestellten Körperwahn und die trügerische Oberflächlichkeit. Während des Lesens ist es erschreckend und faszinierend zugleich, wie schnell Selbstoptimierung in eine Art Selbstentfremdung umschlagen kann. Dass körperliche Stärke keineswegs automatisch innere Stabilität bedeutet, zeigt sich an der Protagonistin eindrucksvoll. Sie wirkt außerdem stark polarisierend. Einerseits empfand ich Mitleid angesichts ihrer Unsicherheit und leichten Manipulierbarkeit. Gleichzeitig wirkt sie durch ihre Lüge und den steigenden Selbstoptimierungswahn unsympathisch und ihr Verhalten hat mich teilweise beinahe wütend gemacht.

Wie war das Lesegefühl?

Mit seinen 192 Seiten ist „Gym“ ein vergleichsweise kurzer Roman. Die Sprache ist einfach, gut verständlich und schnell zu lesen. Humorvolle Passagen und ein satirischer Unterton lockern den Lesefluss zusätzlich auf. Ich fand zwar schnell in die Geschichte hinein, ehrlicherweise empfand ich den Roman im Mittelteil stellenweise jedoch als etwas zäh. Zum Ende hin hat die Handlung aber wieder richtig Fahrt aufgenommen. Keßler liefert am Ende keine eindeutigen Antworten oder klassischen Aha-Momente als Lösung. Das offene Ende fordert den Leser vielmehr dazu auf, sich selbst mit den Themen Selbstverbesserung, Identität und gesellschaftlichen Zwängen auseinanderzusetzen.

Werde ich den Autor und/oder die Thematik weiterverfolgen?

Ich würde mir grundsätzlich mehr Romane mit Sportbezug wünschen und werde daher weiter Augen und Ohren nach diesen Schauplätzen offenhalten. Auch Verena Keßlers Schreibstil hat mir gut gefallen, sodass ich mir gut vorstellen kann, weitere Bücher von ihr zu lesen.

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