Dr. Vesper: „Wer EU-Mittel liegen lässt, ist selber schuld.“

Wie kommen Sportorganisationen an Fördermittel aus den Geldtöpfen der EU? Acht Experten gaben dazu Auskunft in der EU-Sprechstunde, die DOSB-Generaldirektor Dr. Michael Vesper und Staatsekretär Dr. Christoph Bergner heute in Frankfurt eröffneten.

Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Christoph Bergner (li.) und DOSB-Generaldirektor Dr. Michael Vesper eröffneten am 26.6.2007 die EU-Sprechstunde in der Commerzbank-Arena in Frankfurt/Main. Foto: Hikmet Temizer
Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Christoph Bergner (li.) und DOSB-Generaldirektor Dr. Michael Vesper eröffneten am 26.6.2007 die EU-Sprechstunde in der Commerzbank-Arena in Frankfurt/Main. Foto: Hikmet Temizer

Michael Vesper sprach in seiner Begrüßung in der Commerzbank-Arena von einer erfreulich großen Resonanz für die EU-Sprechstunde, die zum dritten Mal am Sitz des DOSB in Frankfurt/Main stattfand. Erstmals war das Bundesministerium des Inneren Partner der Veranstaltung. Vertreterinnen und Vertreter von über 60 Landes-, Kreis- und Stadtportbünden sowie Vereinen verabredeten im Laufe des Tages einen Termin, um sich über Fördermittel der Europäischen Union zu informieren und „Starthilfe“ für die eigenen Ideen und Konzepte zu bekommen. Die EU-Sprechstunde richtete sich an Vertreter des organisierten Sports mit dem Ziel, über Möglichkeiten der EU-Förderung aufzuklären und individuell gewählte Themen zu beraten. Vesper wertete das hohe Interesse an ihr auch als Indiz dafür, dass „Europa im Sport eine immer bedeutendere Rolle einnimmt“. Sport sei das am weitesten gespannte Bürgernetzwerk in Europa, hob der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph Bergner, noch einmal hervor: „Der Sport hat deshalb auch eine bedeutende Rolle im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft eingenommen.“

Mit der EU-Sprechstunde wolle man einen letzten wichtigen Punkt setzen, bevor der Staffelstab am 1. Juli an Portugal übergeht, unterstrichen Vesper und Bergner. Schwerpunkt des Sportbeitrags im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft war die Veranstaltungsserie „europa(S)meister“, die durch 16 Bundesländer tourte und interessante Projekte mit Europabezug der Landessportbünde vorstellte. Ein Signal des Sports für Europa war auch der Parlamentarische Abend, zu dem der Deutsche Olympische Sportbund und die Landesvertretung Baden-Württemberg im März nach Brüssel eingeladen hatten und das Treffen der europäischen Sportminister im gleichen Monat in Stuttgart.

Der Leiter des EU-Büros des DOSB in Brüssel, Tilo Friedmann, sprach von insgesamt 21 Milliarden Euro, über die Deutschland im Rahmen von Strukturfonds-Maßnahmen verfügen könne. Von diesen Mittel kann auch der Sport profitieren. „Wer sie liegen lässt, ist selber schuld“, sagte Vesper besonders mit Blick auf  die Sportstättensituation, die dringend verbessert werden müsse. Für den Goldenen Plan Ost des Bundes stehen nur noch zwei Millionen Euro bereit. Christoph Bergner sprach die Hoffnung aus, dass der Sport in der EU-Verfassung eine „europäische Einordnung als bedeutsames Phänomen“ findet. Dies würde die Chancen des Sports für ein eigenständiges EU-Budget eröffnen: „Dann müssten wir nicht mehr Trittbrettfahrer bei anderen Programmen sein“, sagte Bergner.

Neben der Sportstätten-Problematik boten acht Experten in der EU-Sprechstunde ihre Beratung zu den Themen „Erwachsenenbildung“, „Schulbildung“, „Europäischer Freiwilligendienst“, „Regionalförderung auf Landesebene“ und „Europäische Jugendarbeit“ an. Letzteres war bei den Vertretern des Sports am häufigsten gefragt. Verschiedene  Projektbeispiele aus den Ländern zeigten die Bandbreite der Förderungsmöglichkeiten. Eine Auswahl:  Der Deutsche Alpenverein bekam 110.000 Euro Zuschuss für den Bau einer Kletterhalle in Rieden am Forggensee. Die Sportjugend Oldenburg wurde mit 7.500 Euro für ihren „Jugendsportpass“ unterstützt. „Enjoy the differences, create europe“, ein Sportcamp und interkultureller Dialog der Sportjugend Nordrhein-Westfalen in Russland förderte die EU mit 30.000 Euro.

Für Ulrike Weber, Geschäftsführerin des Deutschen Tanzsportverbandes schien die Förderung durch EU-Gelder immer sehr weit weg zu sein: „Die bürokratischen Hürden sind zu hoch. In dem Gestrüpp der Förderrichtlinien kennt sich der Laie nicht mehr aus.“ Umso glücklicher ist sie, dass es die EU-Sprechstunde gibt. „Hier“, sagte Ulrike Weber, „findet sie einen Leitfaden durch das Förderdickicht der Europäischen Union.“ 


  • Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Christoph Bergner (li.) und DOSB-Generaldirektor Dr. Michael Vesper eröffneten am 26.6.2007 die EU-Sprechstunde in der Commerzbank-Arena in Frankfurt/Main. Foto: Hikmet Temizer
    Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Christoph Bergner (li.) und DOSB-Generaldirektor Dr. Michael Vesper eröffneten am 26.6.2007 die EU-Sprechstunde in der Commerzbank-Arena in Frankfurt/Main. Foto: Hikmet Temizer

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