Erst heiß, dann Eis

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein startet auch bei den World Roller Games in Barcelona.

Bei den Masters-Europameisterschaften der Inline-Speedskater in London verteidigte Claudia Pechstein ihren Titel. Foto: Hanspeter Detmer
Bei den Masters-Europameisterschaften der Inline-Speedskater in London verteidigte Claudia Pechstein ihren Titel. Foto: Hanspeter Detmer

Claudia Pechstein, die fünfmalige Goldmedaillengewinnerin bei Olympischen Winterspielen, reist Anfang Juli nach Barcelona. Dort muss man dann mit Tagestemperaturen nahe 30 Grad rechnen. Fliegt die Berlinerin etwa zum Sonnentanken ans Mittelmeer, bevor sie mit der harten Vorbereitung auf die nächste Eisschnelllaufsaison beginnt? „Nein“, sagt Claudia Pechstein, „ich will bei den World Roller Games in meiner Altersklasse die Goldmedaille erfolgreich verteidigen, die ich vor drei Jahren im chinesischen Nanjing im Masters-Rennen gewann“.

Goldmedaille bei den Inline-Skating-Masters für eine Athletin, die im Eisschnelllauf auch mit 47 Jahren weiterhin zum Kreis der Weltbesten zählt? Bei Meisterschaften im Inline-Speedskating gehört die Eisschnellläuferin zur Altersklasse Ü40. Auch da geht es noch rasant zur Sache. Durchschnittlich 32,6 Kilometer pro Stunde war Claudia Pechstein schnell, als sie vor drei Jahren in Nanjing ihr Marathonrennen gewann. Die halb so alten Elite-Damen brachten es auf 36,5 km/h. „Die Teilnahme an hochkarätigen und längeren  Straßenrennen der Inline-Speedskater ist für mich gleichermaßen Spaß am Wettbewerbssport wie Vorbereitung auf meine Kernsportart Eis-Speedskating“, sagt die Athletin. „Da hole ich mir die Ausdauerhärte.“ 

Hitze, mit der man im Juli bei den World Roller Games (WRG) in Barcelona rechnen muss, scheint der Eiskönigin nichts aus zu machen. Sie herrschte auch schon Anfang Mai bei den Masters-Europameisterschaften der Inline-Speedskater in London. 26 Runden waren auf einem Rundkurs mit sechs Rhythmus störenden Anstiegen pro Runde zu bewältigen bei Temperaturen, die sogar über 30 Grad lagen. Das sind eigentlich keine Bedingungen für Eisschnellläufer. Dennoch verteidigte Claudia Pechstein auch hier mit der unter den gegebenen Umständen bemerkenswerten Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 31 km/h ihren Masters-EM-Titel erfolgreich.

Die so erfolgreiche Wintersportlerin mag es offenbar auch heiß. „Ich finde Inline-Skatingrennen spannend. Und ich fühle mich unter den Inline-Skatern sehr wohl“, sagte sie in London nach der Siegerehrung, um dann zum Flughafen zu eilen, damit sie am nächsten Tag im unmittelbar an der polnischen Grenze gelegenen Görlitz einen Inline-Halbmarathon gewinnen konnte.

Für die Aufnahme des Inline-Speedskating ins Programm der olympischen Sommerspiele  als Pendant zum Eisschnelllauf bei den olympischen Winterspielen hätte sie durchaus Verständnis. Tatsächlich hofften die Rollsportler nach ihrem gelungenen Auftritt bei den Youth Olympic Games 2018 in Buenos Aires auf ihre große Olympiapremiere 2024 in Paris. Doch die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) will Breakdance neu ins Sommerprogramm aufnehmen. Claudia Pechsteins Meinung zu dieser Empfehlung: „Kein Kommentar“.

Inline-Star Simon Albrecht sehnt sich nach Olympia

Von der IOC-Entscheidung härter getroffen als der Eisschnelllauf-Star mit dem Faible für das Inline-Speedskating ist der 24-jährige Simon Albrecht aus Groß-Gerau. Er ist ein Star in der Szene der Inline-Speedskater. Goldmedaillen bei Welt- und Europameisterschaften, bei World Roller Games und den World Games der nicht-olympischen Sportarten hat Simon schon reichlich gesammelt.  Vor wenigen Wochen stellte er bei den Deutschen Bahn-Meisterschaften in Groß-Gerau einen Geschwindigkeits-Weltrekord auf: 500 Meter aus dem Stand in 37,769 Sekunden. Das sind durchschnittlich 47,66 km/h mit vergleichsweise winzigen Rollen und ohne Gangschaltung.

„Aber was nutzt mir das, wenn ich kein olympisches Gold sehe“, klagt der Student der Sportwissenschaften. „Paris 2024 war mein Ziel, zumal die Franzosen ja viel mehr Gespür für das Inline-Speedskating haben als wir hier in Deutschland. Natürlich bleibe ich dem Inline-Speedskating treu. Aber da mir in den nächsten Jahren, in denen ich noch sportliche Höchstleistungen erbringen kann, als Inline-Speedskater keine olympischen Perspektiven geboten werden, habe ich inzwischen den Eissprint als sportliche Herausforderung angenommen. Vielleicht schaffe ich es, als Eissprinter schon 2022 in Peking bei den olympischen Winterspielen dabei sein zu dürfen.“

International haben Inline-Speedskater in den letzten Jahren die Eisschnelllaufszene stark belebt und bei olympischen Winterspielen sowie Weltmeisterschaften viele Gold- und weitere Medaillen gewonnen. Was die körperlichen Voraussetzungen anbetrifft, sieht sich Simon Albrecht mit den Eisschnellläufern durchaus gleichwertig. „Ich muss jedoch noch an der Technik des Eisschnelllaufs arbeiten. Aber Technik kann man trainieren“, sagt er.

Im vorigen Winter hat er auf dem Eis der Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle in Erfurt trainiert. Die nächste Eissaison wird Simon Albrecht in den Niederlanden verbringen. „Dort funktioniert die Zusammenarbeit im Trainingsaustausch zwischen Inline-Skatern und Eisschnellläufern reibungslos. Ich weiß nicht, warum das bei uns in Deutschland nicht so gut läuft“, sagt er.

Zunächst aber will der Inline-Speedskater Simon Albrecht in Barcelona bei den World Roller Games seine Goldmedaillensammlung zu vergrößern. Am Schlusstag der Spiele in Barcelona kann der Sprintspezialist dann seine Eisschnelllaufkollegin Claudia Pechstein beim Inline-Marathon bewundern.

Barcelona wird für Claudia und Simon im wahrsten Sinne des Wortes ein heißes Pflaster werden. Erst heiß, und später geht es dann aufs Eis. 

(Quelle: DOSB/Hanspeter Detmer)


  • Bei den Masters-Europameisterschaften der Inline-Speedskater in London verteidigte Claudia Pechstein ihren Titel. Foto: Hanspeter Detmer
    Claudia Pechstein sitzt auf einem Podest mit der Nummer 1 bei den Masters-Europameisterschaften der Inline-Speedskater in London. Foto: Hanspeter Detmer

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