Brauchen wir eine neue Schulsportstudie?

Die letzte Schulsportstudie von DOSB und dsj ist jetzt zehn Jahre alt. Zeit für eine neue Umfrage, findet Autor Prof. Detlef Kuhlmann.

Für einen besseren Schulsport braucht es eine neue Schulsportstudie. Foto: LSB NRW
Für einen besseren Schulsport braucht es eine neue Schulsportstudie. Foto: LSB NRW

Die Daten und Ergebnisse der Schulsportstudie, die der Deutsche Sportbund (DSB) als Vorläuferorganisation des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zusammen mit der Deutschen Sportjugend (dsj) seinerzeit in Auftrag gegeben hatte, sind jetzt zehn Jahre alt geworden. Die knapp 9.000 Schülerinnen und Schüler, die vor genau einem Jahrzehnt in den (ausgewählten) Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sach-sen-Anhalt und Schleswig-Holstein befragt wurden, haben ihre Schulsportlaufbahn längst beendet; viele der über 1.100 befragten Sportlehrkräfte dürften mittlerweile in Ruhestand sein. Aber nicht allein deswegen ist die Frage berechtigt: Brauchen wir eine neue Schulsportstudie?

Blenden wir kurz zurück: Mit „Spendengeldern“ der deutschen Bewerberstädte für die Olympischen Spiele 2012 war es DSB und dsj damals gelungen, den Forschungsauftrag an renommierte Sportwissenschaftler von insgesamt sechs Universitätsstandorten mit dem bekannten Paderborner Sportpädagogen Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider als leitenden Koordinator in Auftrag zu geben.

Seitdem ist die „DSB-SPRINT-Studie“ zum terminus technicus geworden, wenn hierzulande über den „Sportunterricht in Deutschland“ (Untertitel der Studie, aus der sich die Abkürzung SPRINT zusammensetzt) diskutiert wird. Insofern ließe sich die Frage präzisieren: Brauchen wir also eine neue SPRINT-Studie, vorzugsweise mit finanzieller Hilfe aus Hamburg, wo doch bis 2019 allein insgesamt 270 Mio. Euro in Schulsporthallen investiert werden sollen?

Die Ausgangslage des Schulsports hat sich in der Zwischenzeit gravierend verändert. Kinder verbringen heute im Zuge der Ganztagsschulentwicklung deutlich mehr Zeit in der Schule als noch vor zehn Jahren. Demzufolge könnte „SPRINT II“ z.B. auch Befunde über die inhaltliche Gestaltung und die (wünschenswerten) Wirkungen von Sportangeboten im Ganztag sowie speziell über die Rolle des Sportvereins als Bildungspartner und Mitgestalter im Kontext von Bildungsnetzwerken hervorbringen, zumal wenn der organisierte Sport mit dem DOSB und der dsj wiederum die Initiative übernimmt, eine solche Studie zu initiieren.

Aber völlig unabhängig davon, wer das Projekt schließlich finanziert bzw. als Motor und Moderator begleitet, stellt sich die Frage, inwieweit es mit einem ausgefeilten Untersuchungsdesign gelingt, Ergebnisse zu erzielen, die sich auf die Vision eines „besseren“ Schulsports in Deutschland projizieren lassen.

Dabei ist die Sache dann im Umkehrschluss ganz einfach – denn: Wer sich für einen besseren Schulsport hierzulande stark machen will, hat die Frage, ob wir eine neue Schulsportstudie brauchen, im Grunde per se schon mitbeantwortet. Und für interessierte Forscherinnen und Forscher aus der Sportwissenschaft käme das einem Startsignal gleich: „Bitte fertig machen zum SPRINT!“

(Autor: Prof. Detlef Kuhlmann)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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