Das Bildungssystem des organisierten Sports ist berichtsfähig

Der Sport bietet ein umfangreiches Bildungssystem, das allerdings im Bildungsbericht der Bundesregierung nicht vorkommt. Ein Fehler findet Autor Prof. Hans-Jürgen Schulke.

Der Sport bildet kompetente Fachkräfte aus. Foto: LSB NRW
Der Sport bildet kompetente Fachkräfte aus. Foto: LSB NRW

In dieser Woche wird sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages mit dem Bildungsbericht 2014 der Bundesregierung beschäftigen. Das ist nicht selbstverständlich, denn Bildung ist in der föderalen Republik zunächst Ländersache.

Der 5. nationale Bildungsbericht bildet eine Ausnahme. Vier renommierte Forschungsinstitute haben mit statistischen Ämtern und zahlreichen Wissenschaftlern eine Fülle von Daten erhoben, aus denen kollektive Bildungsverläufe vom Kindergarten bis zur beruflichen Weiterbildung rekonstruiert werden. Ganztägige Betreuung in Grundschulen, Übergänge ins Gymnasium, erfolgreiche Studienabschlüsse u.v.m. werden verdeutlicht, historisch und international verglichen. Aktuell werden Bildungschancen von Migranten und inklusives Lernen diskutiert.

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.

Auf europäischer Ebene stehen Bildung und lebenslanges Lernen ganz oben auf der Agenda. Mit dem „Lissabon-Prozess“ sollte die EU bis 2010 „zur dynamischten und wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaft der Welt“ werden. Kinderbetreuung und Vorschulerziehung, mehr Abiturienten bei Abschluss nach 12 Jahren, Verdichtung des Hochschulstudiums auf 3 Jahre und Verzahnung mit Berufsfeldern, Stärkung der beruflichen Weiterbildung auch über freie Bildungsträger, Fortbildung bis ins hohe Lebensalter sind in vielen Bereichen umgesetzt.

Vielfalt und Anschlussfähigkeit des heutigen Bildungssystems folgt der Bildungsbericht nur bedingt. Er konzentriert sich auf staatlich organisierte bzw. anerkannte Bildungsaktivitäten mit formalen Abschlüssen. Vorschulerziehung, Schule, Hochschule, Berufsbildung nehmen als „formale Bildung“ breiten Raum ein. Zwar wird auch Non-formale-Bildung und informelles Lernen benannt, bleiben in „Bildungsorten und Lernwelten“ am Rand. Der DOSB hat das mehrfach bedauert, seinerseits seine Bildungsaktivitäten dokumentiert und in den sog. Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) gestellt.

Die Genügsamkeit der Bildungsforscher überrascht. Längst ist bekannt, dass bei Gewerkschaften, Kirchen, karitativen Trägern, kulturellen Organisationen intensiv wie systematisch und vor allem zahlreich gelernt wird. Auch im Sport. Oft wird dort Motivation zum Lernen neu geweckt, regen Abschlüsse zum Weitermachen an bis zur Profession. Nicht allein Sportenthusiasmus, sondern die kompetente Fachkraft trägt den Vereinssport.

Heute steht jedem Mitarbeiter im organisierten Sport ein beeindruckendes Bildungssystem offen, das vielstufig vom Gruppenhelfer zur Hauptamtlichkeit aufsteigt, das vielgliedrig vom Fachtrainer über den Jugend- und Übungsleiter, vom Schiedsrichter zum Vereinsmanager reicht. Kooperationen mit Hochschulen werden gesucht. Hunderttausende Wissenshungrige finden hier jedes Jahr ihren Lernort.

Das erfolgreiche Bildungssystem des organisierten Sports war bislang nicht Gegenstand der Bildungsforschung. Begriffe wie Übungsleiter und Trainer sind semantische Solitäre in der bundesdeutschen Bildungslandschaft. Aber: Bildung soll ein umfassendes Netzwerk mit zahllosen Verbindungslinien bilden. Der Sport hat guten Grund, sein eigenes System auf Anschlussmöglichkeiten und Kompatibilität mit anderen Teilsystemen wie zum gesamten Bildungssystem zu betonen. Qualifizierten Trainern und Vereinsmanagern könnte z.B. der Einstieg ins Studium erleichtert werden, Vereine dessen dualen Verlauf absichern.

Der Sportausschuss könnte beitragen, solche Wege zu öffnen. Das Bildungssystem des Sports in den Bildungsbericht wäre ein erster Schritt. Der ist, wie wir gelernt haben, der wichtigste.

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  • Der Sport bildet kompetente Fachkräfte aus. Foto: LSB NRW
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