DSB-Kongress „Sport gestaltet Zukunft“ in Bonn mit 650 Teilnehmern

Der Deutsche Sportbund (DSB) nimmt die Herausforderung in depressiver Stimmungslage in Deutschland selbstbewusst an. Dies ist die Kernbotschaft des Zukunftskongresses

vergangene Woche in Bonn. Der DSB sieht sich verstärkt als Gestalter und weniger als Verwalter. Präsident Manfred von Richthofen: „Es reicht, wenn wir seriös und auf dem Teppich bleiben, um festzustellen: Der Sport gehört ganz zweifellos zu den wichtigen Lebensadern unserer Gesellschaft.“

„Sport gestaltet Zukunft“ lautete das Leitmotiv für 650 Delegierte an historischer Stätte im früheren Bundeshaus. Zwei Tage bewegten Plenarsitzungen, 14 Workshops und Hintergrundgespräche das Programm, von der Grundsatzabteilung des DSB und der DSB-Führungsakademie organisiert. Diese, das wurde in Bonn bekannt, zieht Mitte 2003 von Berlin nach Köln um. Und das Datum passte. Manfred von Richthofen: „Politisch hat mir der Zeitpunkt sehr gefallen.“ Nach der Gesellschaftskampagne „Sport tut Deutschland gut“ im April nun die Botschaft „Sport gestaltet Zukunft“. Richthofen: „Wie viele andere gesellschaftspolitische Bereiche ist auch der Sport erheblichem Veränderungsdruck ausgesetzt.“ Nicht nur reagieren, sondern handeln, verlangt die Regie jetzt von Verbänden und 88.000 Vereinen.

DSB-Generalsekretär Dr. Andreas Eichler in der Zusammenfassung des Kongresses: „Wir sind mehr als Dienstleister, wie bieten eine Heimat. Unser Sport kann Hoffnungsträger sein, treten wir den Beweis an.“ Während Kirchen und Gewerkschaften an Gewicht verlieren, bilanziert der DSB weiter Zuwachsraten: Fast 85.000 Mitglieder mehr im Jahre 2002, das summiert sich jetzt auf insgesamt 26,8 Millionen Mitgliedschaften. Qualitätsmanagement heißt das Zauberwort. In den Bonner Runden war die Konzentration der Kräfte, des Geldes, der Ressourcen und des Personals in der Diskussion. Manfred von Richthofen: „Wir haben zu viele und zu große Gremien. Wir müssen uns darauf einstellen, dass das Ehrenamt nur für kurze Zeit möglich ist.“ Netzwerke hieß ein zweites Schlüsselwort. Freiwillige, Talente und Trainer werden knapp. Mit der Verwaltung des Mangels mochte sich der Kongress nicht zufrieden geben. Begeisterung, Flexibilität, Steuerung. Geschlechtergerechtigkeit (Gender Mainstreaming), Sozialberichterstattung (harte Daten), Dienst- und Serviceleistung (Verbände), wissenschaftliche Begleitung (Kompetenzzentren) sollen die aktive Bürgergesellschaft beflügeln.

Der DSB fühlt sich wohl in der Rolle als Lokomotive der Gesellschaft. Andreas Eichler beschrieb künftige Pflichtaufgaben: Veränderungswillen, Strategie-, Politikfähigkeit, Netzwerkorientierung (Schule, Universität, Verband). Entwicklung und Positionierung für ehrenamtliche Mitarbeiter (Frauen in Führungspositionen). Die Latte liegt hoch. Die Spielwiese ist unübersichtlich geworden. Immer noch finden sich Scheuklappen und Konkurrenzdenken in vielen Vereinen und Verbänden, ist viel, bisweilen zu viel, von Geld und Subventionen die Rede. Eichler: „Wir brauchen eigentlich mehr Geld, kriegen aber weniger. Wir müssen Prioritäten setzen.“ Gerade Ehrenamtliche sind hin- und hergerissen zwischen dem Mangel an gesichertem Wissen, Wertewandel, Leistungsanspruch und -Krisen, Gestaltung von Lebensräumen, Integration oder wirtschaftlichem Verteilungskampf.

Orientierung soll die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln und Stärken (Vereine) bieten, sowie Kommunikation mit anderen Organisationen und externen Ideen und Impulsgebern. Einer sorgte am zweiten Tag für besonderes Aufsehen und Gesprächstoff. Erwin Staudt beschrieb das Ehrenamt als Königsweg zur Persönlichkeit. Deshalb der Appell des Schwaben: „Geht raus und helft der Gesellschaft. Das Ehrenamt hat ein besseres Marketing verdient.“ Nicht nur Strukturen gilt es aufzubrechen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM-Deutschland, selbst lange Jahre Vorsitzender eines Stuttgarter Vorortvereins, verblüffte mit der Botschaft: Der Manager ist out - der delegiert, plant, die Dinge richtig macht und respektiert wird. Der Leader (Führer) ist der Mann der Stunde. Dieser ermuntert, inspiriert, lebt Ziele, besitzt Visionen, zeigt Gefühle „macht die richtigen Dinge“ und wird bewundert. Staudt: „Das ganz Entscheidende ist Führung.“ Leidenschaft fürs Geschäft, Durchschlagskraft (zerstörerischer Erneuerungswille), Teaming (gruppen- und projektwirksam) sowie Coaching (positive Begeisterung und Erfahrung) heißen Kerntugenden. Intelligenz, Begeisterungsfähigkeit und Willensstärke beflügeln den Leader.

Staudt: „Ein Verein, der sich nicht ändert oder anpasst, der treibt seine Mitglieder in die Wellnessarme. Der Markt ändert sich heute schlagartig.“ Unternehmen werfen Konzepte oft im Jahrestakt über den Haufen. Vereine verharren Jahrzehnte in ihren Strukturen. Die Entbehrungsgeneration der Nachkriegs-Jahrzehnte wich der Wohlstandsgeneration. Die Versorgungsansprüche sind gesellschaftlich nicht länger zu schultern. An ihre Stelle tritt Selbstversorgungspflicht. „Die Menschen sind auf der Sinnsuche. Unternehmen müssen heute mehr und tiefer kommunizieren.“ Das alte Arbeitsethos macht dem Freizeitwert Platz. Der Spaßgesellschaft und der Individualisierung sind alles Organisierte und Bindungen fremd. Die Maxime lautet: „Alles was wir tun, bringt Geld.“ Der Funaktivist will sich jedoch nicht ganz einbringen, weder in eine Ehe, noch in die Vereinsverantwortung. Staudt: „Unsere Zielgruppe lässt sich ganz schwer in Gruppenzwang einordnen.“ Seine Antwort darauf, Projektarbeit, gezielte, fachkompetente Einsatzgruppen, die Probleme schnell erkennen und ergebnisgenau abarbeiten oder Ideen umsetzen. Erwin Staudt hat das Kongressmotto „Sport gestaltet Zukunft“ wörtlich genommen.



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