Ehrenamtsförderung als zentrale Aufgabe

Die Engagementwoche vom 13. bis 22.9.2019 zeigt die Vielfalt und Relevanz von bürgerschaftlichem Engagement. Wir stellen in loser Reihenfolge dazu Themen vor, die "Engagement und Sport" betreffen.

Dr. Karin Fehres ist Vorstand Sportentwicklung im DOSB. Foto: DOSB/Jörg Carstensen
Dr. Karin Fehres ist Vorstand Sportentwicklung im DOSB. Foto: DOSB/Jörg Carstensen

Wir beginnen mit einem Interview mit Dr. Karin Fehres, DOSB-Vorstand Sportentwicklung, das das Projektteam "Engagement macht stark!" (EMS!) vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) mit ihr geführt hat.

In dem Gespräch geht es um die Bedeutung von Engagement im Sport, um erfolgreiche Ansätze der Ehrenamtsförderung, aber auch um die Notwendigkeit des politischen Willens, die Rahmenbedingungen zu verbessern: 

EMS!: Im Rahmen der diesjährigen Kampagne hat der DOSB die Themenpatenschaft für das Handlungsfeld „Engagement und Sport“ übernommen. Welche Ziele und Maßnahmen sind damit verbunden?

Dr. Karin Fehres: Mit der Patenschaft wollen wir an vielen Stellen aufzeigen, wie wichtig der gemeinnützige Sport und das ehrenamtliche bzw. freiwillige Engagement sind und wie sie zusammenwirken. Als Dachverband verstehen wir uns dabei als Anwalt und Interessensvertreter des Vereinssports mit rund 90.000 Sportvereinen. Das Ehrenamt und freiwillige Engagement sind dabei das Fundament, auf dem die kleinen, mittleren und großen Sportvereine, aber auch die Sportverbände aufgebaut sind. Nahezu jede Position im Sportverein kann ehrenamtlich ausgeübt werden: Die Übungsleiterin*innen, die den Kindern ein regelmäßiges Training ermöglichen, die Helfer*innen bei Vereinsfesten oder schließlich die Vereinsvorstände, die sich für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzen. Die Aufgaben sind vielfältig und anspruchsvoll und ihre Bewältigung bestimmt die Qualität der Vereinsarbeit.

Vor diesem Hintergrund ist es für den DOSB und seine Mitgliedsorganisationen von hoher Bedeutung, Menschen für die Tätigkeiten im Sportverein zu begeistern und Ehrenamt und Engagement noch besser anzuerkennen und zu stärken. Als Themenpate für die Engagementwoche freuen wir uns, diese Synergien zu nutzen, Anerkennung auszusprechen und aufzuzeigen, welche großartigen Leistungen durch die Engagierten möglich sind. Im Rahmen der Sportabzeichen-Tour haben wir bereits in 10 ausgewählten Städten für das Thema geworben, viele schöne Bilder mit dem Kampagnenmotiv für die Fotokation geschossen und engagierte Persönlichkeiten aus Sportvereinen portraitiert. Höhenpunkt wird natürlich unser Thementag am 17. September in Weimar sein, wo wir zusammen mit unseren Partner*innen das Deutsche Sportabzeichen ablegen und zugleich eine ganz besondere Ehrung, für die Engagierten vornehmen werden.

Worin zeigt sich die gesellschaftspolitische Bedeutung, die das Ehrenamt und das freiwillige Engagement im Sport einnehmen?

Der besondere „Wert“ des Engagements im Sport resultiert daraus, dass Menschen sich freiwillig und ohne materielle Absichten in unterschiedlichen Rollen und Aufgaben im Verein für das Gemeinwohl engagieren. Dabei werden Werte gelebt und vermittelt, die auch für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft in Freiheit und Verantwortung wichtig sind. Die Tätigkeiten im Sportverein bieten einen sozialen Raum, neue Lebenserfahrungen zu sammeln und die eigene Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Teamfähigkeit, gegenseitiger Respekt und Anerkennung, Gleichberechtigung, Eigeninitiative und Teilhabe – das alles sind grundlegende Elemente des Vereinssports und des Engagements im Sport.

Die qualitative Dimension des Engagements zeigt sich ergänzend in vielen (politischen) Handlungsfeldern, die in den Vereinsangeboten sichtbar sind. So unterbreiten die Sportvereine unzählige Angebote im Bildungs- und Gesundheitsbereich und setzen sich z. B. für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund oder von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen (Stichwort Inklusion) ein. Insgesamt bieten Sportvereine die große Chance, sich und seine Mitmenschen durch gemeinsames Sporttreiben kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und sich daran zu erfreuen. Hierzu sind die Sportvereine offen und es ist nahezu überall in Deutschland möglich, ihre Angebote zu nutzen.

Was motiviert Ehrenamtliche, sich im Sport freiwillig und unentgeltlich zu engagieren?

Es sind ganz unterschiedliche Interessen und Motivationen, die Menschen dazu bewegen, sich im Sport bzw. Sportverein zu engagieren. Neben dem Wunsch, sich in einer Gemeinschaft für andere einzusetzen geht es häufig auch darum, neue Lebens- und Lernerfahrungen zu sammeln bzw. Wertschätzung und Anerkennung durch eine Tätigkeit im Sport zu erhalten. Insbesondere die umfassenden Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen, z. B. bei der Betreuung von Jüngeren, durch die Vertretung der Jugend im Vorstand oder das Stimmrecht bei der Hauptversammlung usw., motiviert Jugendliche, sich im Sportverein persönlich einzubringen.

Darüber hinaus ist das heutige Engagement auch von persönlichen Interessen und Erwartungen geprägt. Als Verein einen schlichten Aushang zu schreiben mit dem Satz, "Wir suchen eine*n Trainer*in", reicht heute schon lange nicht mehr aus. Bei einer Stellensuche muss auch etwas geboten werden, z. B. ein tolles Umfeld, eine besondere Leistungsgruppe, Möglichkeiten zur Qualifikation (Lizenzerwerb) oder ähnliches. So ist es für viele Engagierte auch wichtig, durch das Engagement neue Kompetenzen und Qualifikationen zu erwerben, die auch in anderen Kontexten, z. B. für das Berufsleben für sie nutzbar sind.

Anerkennung und Wertschätzung sind wichtige Instrumente der Ehrenamtsförderung.   Welche Elemente gehören im Sport zur Anerkennungskultur? Worauf kommt es dabei an?

Die Anerkennung für die Leistungen engagierter Menschen hat immer mit Wertschätzung zu tun. Themenübergreifende Formate, wie beispielsweise die Kampagne „Engagement macht stark!“, leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Aber natürlich spielt die grundlegende Haltung, wie sie sich innerhalb der Vereinspraxis zeigt, eine entscheidende Rolle. Die einfachste, aber vielleicht sogar wichtigste Form der Anerkennung sind dabei die unmittelbare, positive Rückmeldung und Zuwendung durch die eigenen Mitglieder. Lob, aufbauende Worte und eine gelebte Dankbarkeit im Miteinander sind wichtige Kenngrößen für eine gesunde Anerkennungskultur, die sich dann maßgeblich auch auf die Motivation aller Beteiligten im Sportverein auswirkt.

Darüber hinaus haben sich im Sport viele weitere Formen der Anerkennung etabliert, die je nach Leistung, Alter und Tätigkeit an die Engagierten vergeben werden. Beispiele reichen von einer Vielzahl von Preisen und Auszeichnungen auf kommunaler, regionaler und Bundesebene und die Vergabe von Ehrennadeln für besonderes Engagement bis hin zu kostenlosen Qualifizierungslehrgänge oder die Erstattung von Auslagen. Auch deshalb setzt sich der DOSB für die maßvolle Erhöhung von Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale im Jahressteuergesetz 2020 ein.

Für die Zukunft wird es im Übrigen immer wichtiger werden, die Leistungen der Engagierten noch stärker als bisher gerade auch in anderen Bereichen unserer Gesellschaft anzuerkennen (z. B. für ein Studium oder im Berufsleben).

Auch Sportvereine stehen unter dem Druck sozio-kultureller Wandlungsprozesse, die sich gegenwärtig abzeichnen. Welche aktuellen Herausforderungen und Aufgaben stellen sich dem Freiwilligenmanagement im Sport?

Demographischer Wandel, moderne Leistungsgesellschaft und gestiegene Ansprüche bzw. Erwartungen bei den Mitgliedern sind Entwicklungen, die natürlich auch deutliche Auswirkungen für das Freiwilligenmanagement im Sport mit sich bringen. Der Wertewandel hin zu mehr Autonomie und Individualisierung im Engagement macht ein Umdenken in den Vereinen notwendig. Die Vereine sind gefordert, noch stärker von den Freiwilligen, ihren Motiven und ihren Erwartungen her zu denken, ein wertschätzendes Klima insgesamt zu etablieren und auf die Lebensplanungen der Engagierten Rücksicht zu nehmen. Hinzu kommt, dass bürokratische Hürden, die für ein freiwilliges Engagement große Herausforderungen darstellen, abgebaut werden. Dazu zählen etwa rechtliche Regelungen und Meldepflichten, die mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden sind (z.B. zum Steuer- und Versicherungsrecht), oder auch die Umsetzung der aktuellen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Für den DOSB und seine Mitgliedsorganisationen ist und bleibt die Engagementförderung eine zentrale Zukunftsaufgabe. Unser Anliegen ist es, die bürokratischen Hürden abzubauen und die Rahmenbedingungen für die Engagierten in den Sportvereinen nachhaltig zu verbessern. Hierzu haben wir z. B. erst kürzlich einen Forderungskatalog zur „Stärkung des Ehrenamts“ an die politischen Entscheider*innen gerichtet. Dabei fordern wir u.a. Verbesserungen im Steuerrecht, die Erhöhung der gesetzlichen Pauschalen, gezielte Änderungen der Umsatzsteuer und in der Abgabenordnung. 

(Quelle: Das Gespräch mit Dr. Karin Fehres führten Autoren von "Engagement macht stark!")


  • Dr. Karin Fehres ist Vorstand Sportentwicklung im DOSB. Foto: DOSB/Jörg Carstensen
    Dr. Karin Fehres ist Vorstand Sportentwicklung im DOSB. Foto: DOSB/Jörg Carstensen

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