"Eine Dienstverkürzung wirkt sich auch auf den Sport negativ aus"

Stichwort "Zivildienst im Sport": Drei Fragen an den Leiter der Verwaltungsstelle Zivildiendienst im Sport beim Deutschen Sportbund, Rudolf Schmidt

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DSB PRESSE: Der Zivildienst als eine wichtige Säule gemeinnütziger Arbeit und gesamtgesellschaftlicher Aufgabenbewältigung hat auch im Sport einiges bewirkt. Wie sieht die bisherige Bilanz aus?

SCHMIDT: Zur Bilanz gehört zunächst die Feststellung, dass Zivildienstleistende im Sport seit 25 Jahren fachlich qualifiziert eingesetzt werden. In diesem Vierteljahrhundert haben mehr als 6.000 Zivildienstler in über 500 Vereinen und Verbänden sportliche Sozialarbeit geleistet. Zur Zeit gibt es mehr als 600 Beschäftigungsplätze in rund 400 Sport-Dienststellen. Durch den weit überwiegenden Einsatz in der sportlichen Betreuung von Behinderten, Senioren und Infarktpatienten konnten die Sozialfunktionen der Sportvereine ganz erheblich ausgeweitet und auch weiterentwickelt werden. Und natürlich haben auch die Ehrenamtlichen im Sport vom ZDL-Einsatz profitiert, in dem ihnen notwendige Transport- und Organisationsaufgaben abgenommen worden sind. Der größte "Profit" des Sports besteht allerdings in der Gewinnung von qualifizierten und engagierten Mitarbeitern über die Zeit des Pflichtdienstes hinaus.

DSB PRESSE: Die Wehrdienstdauer soll ab 1.1.2002 von 10 auf 9 Monate reduziert werden. Welche Auswirkungen hat das auf den Zivildienst?

SCHMIDT: Die Verkürzung der Wehrdienstdauer führt automatisch auch zur Verkürzung des Zivildienstes. Obwohl die gesetzliche Grundlage hier noch fehlt, ist von einer Verkürzung des Zivildienstes von 11 auf 10 Monate auszugehen.

DSB PRESSE: Seit zwei Jahren wird im Zivildienst von Kontingentierung gesprochen. Was ist damit gemeint, und wie wirken sich Dienstzeitverkürzung und Kontingentierung auf den Zivildienst im Sport aus?

SCHMIDT: Kontingentierung ist nichts anderes als die vornehme Umschreibung einer Reduzierung bei der Besetzung aller Zivildienstplätze, so auch der des Sports. Das Bundesamt für den Zivildienst begrenzt so aus Kostengründen die Wiederbesetzung der Stellen. Hiervon sind alle Einsatzbereiche gleichermaßen betroffen. Dienstzeitverkürzung und Kontingentierung wirken sich insgesamt negativ vor allem dort aus, wo der Zivildienst, wie überwiegend im Sport, unmittelbar "am Menschen" geleistet wird. Denn die Betreuung von Behinderten, Senioren und Infarktpatienten hat auch immer etwas mit einem erst aufzubauenden Vertrauensverhältnis zu tun. Das lässt sich innerhalb immer kürzer werdender Dienstzeiten nicht so ohne weiteres leisten. Und durch die Kontingentierung ist die direkte Nachbesetzung einer freigewordenen Stelle nicht mehr garantiert. Es fehlt also künftig die Planungssicherheit, auch in den Verbänden und Vereinen des Sports, die über zwei Jahrzehnte im Zivildienst selbstverständlich war.

Bei dieser insgesamt negativen Entwicklung bietet sich zur Zeit erfreulicherweise das "Freiwillige Soziale Jahr im Sport" als Alternative an. Dort steht die sportliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt, was im Zivildienst nur in Sonderfällen erlaubt war.


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