Eine Familie lebt für den Sport

Die Schröters aus Weimar verbringen den Großteil ihres Lebens in Bewegung.

Kirsten Schröter spendiert dem Verein mit ihrem Mann Jens mindestens 25 Wochenenden im Jahr für Wettkämpfe (Foto: privat)
Kirsten Schröter spendiert dem Verein mit ihrem Mann Jens mindestens 25 Wochenenden im Jahr für Wettkämpfe (Foto: privat)

Ohne Sport läuft bei den Schröters gar nichts. Sowohl beruflich als auch ehrenamtlich steht bei Kirsten und Jens Schröter sportliche Betätigung an erster Stelle. Ein Glück für Weimar, denn das Ehepaar engagiert sich in diesem Zusammenhang für alle Altersklassen und unterstützt das Deutsche Sportabzeichen nach Kräften. Deswegen wurde die ganze Familie vom DOSB, der dieses Jahr Themenpartner für den Themschwerpunkt "Engagement im Sport" der Kampagne "Engagement macht stark" des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) ist, vorgeschlagen, in der Menschen mit beispielhaftem Einsatz bedacht werden.

Kirsten und Jens Schröter sind Sportler aus tiefster Seele. Sein Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig und ihres in Jena endete 1988 beziehungsweise 1989. Damals hatten beide noch das große Ziel, Erfolgstrainer zu werden und möglichst viele Athleten auf das Treppchen mit der eins zu begleiten. Dieser Traum zerplatzte mit der deutschen Wiedervereinigung. Stellenwert und Umgang mit dem Thema Leistungssport waren mit einem Mal ein ganz anderer und ein neuer Plan musste her. Was geblieben ist, war der Wunsch, Menschen an den Sport heranzuführen und zu begleiten. Und das setzt das Lehrerehepaar nun in der Schule um.

Kirsten unterrichtet neben dem Sport noch Biologie in der Regelschule Schöndorf und Sportlehrer Jens ergänzt seinen Unterricht mit den Fächern Sozialkunde und Wirtschaft-Recht-Technik an der Thüringer Gemeinschaftsschule Carl Zeiss in Weimar. Ihre Schülerinnen und Schüler kommen aus den 5. bis 10. Klassen. Bedauernd beobachten beide, dass sich Kinder und Jugendliche zunehmend weniger bewegen. „Man kann ja auch am Handy Sport machen“, sagt Jens ironisch. Als Lehrer stemmen die beiden also eine besondere Herausforderung, denn das Schulfach Sport ist Pflicht und ein Großteil der Schülerinnen und Schüler kommt meist nicht besonders gerne, aber eben auch nicht drum rum.

Anders als in der Schule sporteln die Mitglieder im Verein freiwillig

Das ehrenamtliche Engagement der beiden ist immens. Zwei Mal pro Woche bieten Kirsten und Jens beim KSSV Victoria Weimar-Schöndorf Leichtathletiktraining an. Jeweils drei Stunden. Und weil die Woche ja schließlich sieben Tage hat, werden auch noch 25 Wochenenden pro Jahr für Wettkämpfe investiert. Und das Interesse kann sich, im Gegensatz zur Schule, sehen lassen. 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchen ihr Training regelmäßig. „Das motiviert uns für die Arbeit in unseren Schulen“, meint Kirsten und hält sich so selbst bei der Stange. Überschneidungen gibt es so gut wie keine. Aus den beiden Schultypen, in denen die beiden Lehrer unterrichten, kommen wenige Kinder zum Vereinstraining. „Gefühlt haben wir im Verein 95% Kinder vom Gymnasium oder von der Grundschule“, ergänzt Jens.

Seit 27 Jahren sind die beiden im Verein engagiert und begleiten entsprechend jährlich viele Menschen beim Training für das Deutsche Sportabzeichen. Und bei den Vereinsfesten sowie beim diesjährigen Tourstopp am 17. September in Weimar ermöglichen sie interessierten Sportlerinnen und Sportlern die Abnahme. Mit ihrem Einsatz wollen die beiden etwas zurückgeben. „Wir tun das, weil es uns als Kindern und Jugendlichen auch angeboten wurde“, sagt der 55-jährige Familienvater. Kirsten ergänzt: „Es macht Spaß zu beobachten, wie Kinder mit den Herausforderungen umgehen. Am besten ist es, wenn sie sich eine Leistung zu Beginn überhaupt nicht zugetraut haben und sie am Ende doch erfolgreich sind.“

Viele Eltern stehen hinter dem Sportverein

Die kleinen und die großen Erfolge, davon zehren die Schröters. Und von der Dankbarkeit der Eltern. Manche Schülerinnen und Schüler sind über zwölf Jahre im Verein und, wenn dann doch der Tag des Abschieds kommt, dann empfindet die 53-jährige Kirsten Stolz.

„Na klar ist das Training anstrengend und die Kinder und Jugendlichen werden gefordert. Trotzdem haben wir Spaß und haben eine Menge zu lachen.“ Und die Eltern ziehen mit. Viele springen im Fall der Fälle als Übungsleiter ein, begleiten Trainingslager und nehmen sich dafür sogar Urlaub. So schätzen die Schröters den Zusammenhalt im KSSV Victoria Weimar Schöndorf.

Die Schröters, ihr Familienleben und das Deutsche Sportabzeichen

Bereits zu DDR-Zeiten haben die Schröters das Deutsche Sportabzeichen unterstützt. Damals nannte es sich „Sportleistungsabzeichen“. Den beiden Sportlehrern lag es am Herzen, das Angebot auch nach der Wende aufrechtzuerhalten. „Für viele Kinder war es wichtig, einen Leistungsnachweis zu bekommen. Das ist einfach ein Anreiz“, meint Kirsten Schröter. Training, Motivation und am Ende kommt die Prüfung. Dabei achten die Schröters streng auf die Regeln, auch wenn das manchmal schwerfällt. Zum Beispiel beim Schleuderball, meint Jens: „Den lernt niemand in der Schule und den kann auch keiner richtig. Manche werfen 20 Mal bis ihnen der Arm wehtut. Aber wenn wir sehen, dass es immer besser wird, dann dürfen sie gerne nochmal und nochmal.“ Und wenn genug trainiert wurde, geht’s zur Prüfung. Erfolg ist eben die beste Motivation.

Ihre Töchter Anja und Julia haben die Haltung und das Engagement der Eltern im Sport natürlich von Kindesbeinen miterlebt. Da liegt es nahe, dass zumindest die 23-jährige Julia, die jüngere der beiden Schwestern, ebenfalls Sportlehrerin werden will. Beide studieren Lehramt und sind dennoch am Start im Verein, wenn es das Studium oder die Familie erlaubt. Anja lebt mittlerweile in Potsdam und hat selbst zwei kleine Kinder. Die sind noch zu klein fürs Deutsche Sportabzeichen, aber wer weiß schon, über wie viele Generationen der Virus springt. Jens erinnert sich an seine Tochter Anja, als sie gerade mal drei Jahre alt war. „Da waren wir in Jena zum Wettkampf und ich sage zu ihr, guck mal, wenn Du den Papa suchst, der ist da hinten beim Kugelstoßen. Und wenn Du mich nicht findest, gehst Du einfach zum Stadionsprecher.“ Keine halbe Stunde später tönte es aus den Lautsprechern: „Die kleine Anja Schröter sucht ihre Eltern.” Sie wusste sich zu helfen und fühlte sich offenbar sehr sicher in dem Umfeld, was sie bereits mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Zusammen kommt Familie Schröter übrigens auf insgesamt 55 Sportabzeichen.

Der Stadtsportbund Weimar bedankt sich

Selbstverständlich sind die Schröters auch neben dem Training zur Stelle. Als der Stadtsportbund Weimar beispielsweise einen Sportabzeichen-Tag für Schulen und andere Interessierte organisierte, konnten die Verantwortlichen auf Kirsten und Jens sowie ihre Trainingsgruppe als Unterstützer zählen. Und dann wird da noch regelmäßig die Radtour in Weimar organisiert. Und das Grillfest zum Saisonende. Und natürlich noch eine Weihnachtsfeier. Das ist ja kein Problem. Es sind ja erst die Hälfte der Wochenenden für Wettkämpfe verbraucht. Also geht da immer noch was bei den Schröters.

Hoffentlich bleibt Ihnen dann noch Zeit für die Einladung vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement. Zum 15-jährigen Jubiläum des BBE sind alle für die Kampagne beispielhaft ausgewählten Ehrenamtlichen in der Woche des Bürgerschaftlichen Engagements (13.9.-22.9.) am 17.9. zum Thementag "Engagement im Sport" zum Tourstopp in Weimar eingeladen. Dort werden den Schröters und allen anderen ausgewählten Ehrenamtlichen als Dank für das langjährige und außergewöhnliche Engagement im Sport eine Urkunde vom Deutschen Olympischen Sportbund und ein ganz besonderer Überraschungspreis überreicht.

(Quelle: wirkhaus.berlin)


  • Kirsten Schröter spendiert dem Verein mit ihrem Mann Jens mindestens 25 Wochenenden im Jahr für Wettkämpfe (Foto: privat)
    Kirsten Schröter spendiert dem Verein mit ihrem Mann Jens mindestens 25 Wochenenden im Jahr für Wettkämpfe (Foto: privat)
  • Kirsten und Jens Schröter stecken den größten Teil ihrer Freizeit in ihr Engagement im Sportverein (Foto: privat)
    Kirsten und Jens Schröter stecken den größten Teil ihrer Freizeit in ihr Engagement im Sportverein (Foto: privat)

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