Eiskunstlauf-Weltmeisterin Marika Kilius wird 75

Marika Kilius, eine der weltbesten Eiskunstläuferinnen unserer Zeit, vollendet am Samstag, dem 24. März 2018, in ihrer Geburtsstadt Frankfurt/Main ihr 75. Lebensjahr.

Marika Kilius beim diesjährigen Ball des Sports in Wiesbaden. Foto: picture-alliance
Marika Kilius beim diesjährigen Ball des Sports in Wiesbaden. Foto: picture-alliance

Bereits im Alter von 15 Jahren wurde Marika Kilius 1958 jüngste deutsche Weltmeisterin aller Zeiten im Rollkunstlauf. In den 1950er Jahren bis zu ihrem Karriereende 1966 war sie Deutschlands erfolgreichste Eiskunstläuferin im Paarlauf zunächst zusammen mit Franz Ningel (geb. 1936) und später ab 1958 mit Hans-Jürgen Bäumler (geb. 1942). 

Marika Kilius wurde siebenmal Deutsche Meisterin, dreimal mit Franz Ningel, danach viermal mit Hans-Jürgen Bäumler. Sie krönte ihre glänzende Karriere auf dem Eis mit insgesamt 17 Medaillen bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften – allen voran die beiden Weltmeistertitel im Paarlauf 1963 in Cortina d‘Ampezzo (Italien) und ein Jahr später in der Dortmunder Westfalenhalle jeweils an der Seite von Hans-Jürgen Bäumler. Bei den Olympischen Winterspielen 1960 in Squaw Valley (USA) gewannen Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler die Silbermedaille. Diesen Erfolg konnten sie vier Jahre später bei den Spielen in Innsbruck hinter dem russischen Paar Ljudmila Beloussowa und Oleg Protopopow wiederholen. 

Doch da war noch was: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erkannte den beiden Deutschen kurze Zeit später die Silbermedaille wieder ab, nachdem bekannt geworden war, dass sie schon im zeitlichen Vorfeld zu den Olympischen Spielen 1964 einen Profivertrag unterschrieben hatten. Daraufhin gaben Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler die Innsbrucker Medaillen 1966 an das IOC zurück. Allerdings wurde beiden 1987 die Medaillen vom IOC wieder ausgehändigt, nachdem der Amateurstatus als Zugangsberechtigung zur Teilnahme an Olympischen Spielen abgeschafft worden war. Marika und Hans-Jürgen waren rehabilitiert und ihr olympischer Friede wieder hergestellt. Dieses brisante olympische Detail ist jetzt sogar auf Seite 195 in der neuen Kulturgeschichte der Olympischen Winterspiele von Klaus Zeyringer (Fischer Verlag: Frankfurt/Main 2018) nachzulesen. 

In seiner Chronik über „100 Jahre Olympische Spiele“ ruft Karl Adolf Scherer dazu noch die besonderen Umstände in Erinnerung, warum damals die Rückgabe der Medaillen so schnell und im Rahmen der ZDF-Sendung „Aktuelles Sportstudio“ am 29. Januar 1966 öffentlichkeitswirksam geschehen musste: „Weil der deutsche NOK-Präsident Willi Daume das Schlimmste befürchtete und sich um die olympischen Stimmen sorgte, die er für den Olympiabewerber München benötigte“ (Seite 285). So gesehen hat die Jubilarin Marika Kilius damals zusammen mit Hans-Jürgen Bäumler dazu beigetragen, dass die Olympischen Spiele in 1972 München stattfinden konnten: „Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler waren für mich immer wichtige Partner bei den Olympischen Spielen seit Innsbruck 1964. Die Verbindung zu Marika konnte ich seitdem insbesondere deswegen pflegen, weil wir beide in Frankfurt leben und zu meiner Freude bei Bällen und anderen Anlässen oft gemeinsam platziert werden“, gratuliert Walther Tröger, langjähriges IOC-Mitglied und NOK-Ehrenpräsident der Jubilarin. 

Schon während ihrer internationalen Karriere auf dem Eis hatte Marika Kilius ihr großartiges musikalisches Talent bewiesen und einen Schallplattenvertrag unterschrieben. Die Single „Wenn die Cowboys träumen“ war am 7. März 1964 auf Platz zwei und insgesamt 18 Wochen in den deutschen Charts. Danach folgte die Aufnahme im Duett mit Hans-Jürgen Bäumler: „Honeymoon in St. Tropez“ schaffte es im Juli 1964 ebenfalls auf Platz zwei und verblieb 17 Wochen in den Charts. Weitere erfolgreiche Schallplattentitel waren: „Ich bin kein Eskimo“ sowie „Kavalier, Kavalier“ und „Erst kam ein verliebter Blick“. Vielen (Älteren) sind neben diesen Musikklängen von Marika Kilius sicher auch noch die beiden Eisrevue-Filme „Die große Kür“ (1964) und „Das große Glück (1967) in „eiskünstlerischer“ Erinnerung. 

Vor fünf Jahren pünktlich zu ihrem 70. Geburtstag hat Marika Kilius mit „Pirouetten des Lebens. Erinnerungen“ ihre eigenen Biografie vorgelegt (Integral Verlag: München 2013). Wer sich jedoch aktuell über Leben und Wirken von Marika Kilius informieren möchte, der sei auf ihre eigene Homepage verwiesen: Auf „Marikas Blog“ gibt es fortlaufend einiges zu bestaunen … vielleicht in Kürze sogar von den Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag!

(Quelle: DOSB)


  • Marika Kilius beim diesjährigen Ball des Sports in Wiesbaden. Foto: picture-alliance
    Marika Kilius beim diesjährigen Ball des Sports in Wiesbaden. Foto: picture-alliance
    Marika Kilius beim diesjährigen Ball des Sports in Wiesbaden. Foto: picture-alliance