Fair Play Preis für Vorbilder im Sport

Politik, Sport und Kultur ehrten am Freitagabend in Dresden den Verein Türkspor Mosbach in der Kategorie Sport mit dem Fair Play Preis. Der Rapper Martin Rietsch wurde mit dem Sonderpreis für Integration ausgezeichnet.

Die Preisträger und ihre Gratulanten (v.li.): Hörmann, Laaser, Rietsch, Inal, Celik, Mittermaier-Neureuther, de Maizière, Franzen; Foto: Roland Bonss
Die Preisträger und ihre Gratulanten (v.li.): Hörmann, Laaser, Rietsch, Inal, Celik, Mittermaier-Neureuther, de Maizière, Franzen; Foto: Roland Bonss

Das Land Sachsen, die Stadt Dresden und der Landessportbund Sachsen hatten gemeinsam in das Deutsche Hygienemuseum eingeladen. Die obersten Repräsentanten waren angereist, um den Preisträgern zu gratulieren. Landesvater Stanislaw Tillich, Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Landessportbundpräsident Ulrich Franzen richteten Grußworte an die versammelte deutsche Sportfamilie.

Auch die Initiatoren des Fair Play Preises, der DOSB, das Bundesministerium des Innern und der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS), waren durch ihre Chefs vertreten. Moderiert wurde der feierliche Anlass von Ines Meinhardt vom MDR. Sie eröffnete mit dem Satz „Fair Play ist eine Idee, eine Haltung, für die man auch Nachteile in Kauf nimmt.“ Bundesinnenminister Thomas de Maizière, dem Fair Play Botschafterin Rosi Mittermaier-Neureuther ein großes Herz für den Sport einräumte, sagte in seiner Ansprache: „Man macht etwas, was einem selbst nichts nützt und doch etwas Großes daraus entstehen kann.“ DOSB-Präsident Alfons Hörmann erinnerte sich an ein persönliches Erlebnis bei den Special Olympics, den Nationalen Spielen geistig behinderter Menschen in diesem Jahr in Düsseldorf. Die hätten tendenziell mehr Freude daran, anderen im Spiel zu helfen, als selbst Treffer zu erzielen. „Daran sollten wir uns alle ein Beispiel nehmen.“Auch die Sportverbandspolitik, so Hörmann selbstkritisch, sei gefordert "Fair Play zu spielen". „Es geht über den Sport hinaus, um Toleranz, Antidiskriminierung“, sagte VDS-Präsident Erich Laaser. „Der Fair Play Gedanke überlebt“, meinte der TV-Journalist. Dieses Jahr habe es so viele Bewerbungen wie nie zuvor gegeben. „Und heute wollen wir die Vorbilder ehren“ sagte Alfons Hörmann.

Olympiasiegerin und Fairplay-Botschafterin Steffi Nerius sandte ihre Laudatio an den Preisträger in  der Kategorie Sport, den Fußballverein Türkspor Mosbach, per Video in den Saal: „Die Chance war groß, die Verlockung groß, aber ihr habt sie nicht angenommen.“ Mosbach hätte drei Punkte kassieren können, ohne das Spiel gegen den VfB Beiersbronn überhaupt antreten zu müssen. Denn der Gegner konnte keine vollständige Mannschaft aufstellen, bat um Spielverlegung. „Wir wollten das sportlich auf dem Platz regeln und haben angenommen, weil wir nicht einfach die drei Punkte geschenkt haben wollten“, sagte Cihan Inal der Spielführer von Türkspor. „Fair Play geht vor“, sagt der 1. Vorsitzende, Cengiz Celik, „wir würden wieder so entscheiden, obwohl wir das Spiel verloren und den Aufstieg dadurch verpasst haben.“ Das verdiene höchsten Respekt und den Fair Play Preis, meinte die ehemalige Speerwerferin Steffi Nerius. Mit Beiersbronn verbindet den Verein Türksport Mosbach heute „eine tolle Freundschaft“, wie die VFB-Vorsitzende Sabine Horsch bekennt.

„Versucht euch mal, in die Lage anderer zu versetzen“, fordert Martin Rietsch seine Schülerinnen und Schüler auf, wenn sie andere ausgrenzen. Der Sohn eines Nigerianers und einer Deutschen erlebte selbst Diskriminierung durch seinen Fußballtrainer, als er noch ein kleiner Junge war. „Das waren Gefühle, die mich nie losgelassen haben“, sagt er.  Deshalb engagiert sich der Hip Hop Künstler heute für ein gutes Miteinander an den Schulen. „An Schulen mache ich Sucht-, Gewalt-, Drogenprävention und Antirassismus-Seminare, das Ganze in Kombination mit Sport, der Jugendliche anspricht: Breakdance, Fußball, Hip Hop. Dazu zählt aber auch, Rap-Songs gegen Drogenkonsum schreiben.“ Die Schüler lernten so nein zu sagen, zu Gruppenzwängen und anderen „falschen Dingen“. Ein solches Engagement gefällt Rainer Schmitt, selbst Fair Play Preisträger und behinderter Tischtennisspieler, der an sieben Paralympischen Spielen teilgenommen hat. Nach Kränkungen und Ausgrenzungen, einem Leben mit Höhen und Tiefen, habe Rietsch gemerkt, dass Drogen und Gewalt keine Lösungen sind, das mache Menschen nicht stark, sondern sich im Sport „reinhängen“, Ziele haben, leidenschaftlich sein. „Sie stehen heute vor hunderten, ja manchmal tausenden Menschen und berichten, was Ihnen wertvoll und wichtig ist, stecken die Menschen an, aktivieren sie, spielen mit ihnen, machen mit ihnen Musik, sind auf der ganzen Palette ein Vorbild“, lobte Rainer Schmidt in einer Video-Botschaft.

Der Musiker Martin Rietsch bedankte sich bei allen Akteuren und beim Publikum mit einem Rap-Song über die (Nächsten)Liebe mit dem Refrain „Ich will nicht Naivität, ich will eine bessere Realität…“

(Quelle: DOSB)


  • Die Preisträger und ihre Gratulanten (v.li.): Hörmann, Laaser, Rietsch, Inal, Celik, Mittermaier-Neureuther, de Maizière, Franzen; Foto: Roland Bonss
    Die Preisträger und ihre Gratulanten (v.li.): Hörmann, Laaser, Rietsch, Inal, Celik, Mittermaier-Neureuther, de Maizière, Franzen; Foto: Roland Bonss
  • Türksport Mosbach ist Fair Play Preisträger in der Kategorie Sport. Foto: Roland Bonss
    Türksport Mosbach ist Fair Play Preisträger in der Kategorie Sport. Foto: Roland Bonss
  • Martin Rietsch zeigt stolz seinen Sonderpreis "Integration". Foto: Roland Bonss
    Martin Rietsch zeigt stolz seinen Sonderpreis "Integration". Foto: Roland Bonss

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