„Fly sein“ – auch im Sport?

"Fly sein" ist das Jugendwort des Jahres 2016. Es bedeutet „etwas oder jemand geht besonders ab“, dies lässt sich auch auf den Sport übertagen, so Autor Detlef Kuhlmann.

"Fly sein" auch beim Sport. Foto: picture-alliance
"Fly sein" auch beim Sport. Foto: picture-alliance

In unserem Sprachgebrauch wimmelt es von Bildern aus dem Sport. Ein geläufiges Beispiel steht für viele andere: Selbst diejenigen, die noch nie einen Marathon gelaufen sind, haben sicher schon einmal an einer Marathonsitzung teilgenommen, auch wenn diese (hoffentlich!) nicht genau 42,195 Stunden gedauert hat. Manchmal werden solche sportiven Sprachbilder sogar prämiert wie beispielsweise mit der seit 2008 vergebenen Auszeichnung „Jugendwort des Jahres“, die ein renommierter deutscher Wörterbuch-Verlag auslobt und sich dabei auf Expertise einer 20-köpfigen Jury verlässt. Ob darunter auch Repräsentanten aus dem Sport sind, ist bisher nicht bekannt – egal:

Im Jahre 2010 schaffte es das „Egosurfen“ auf Platz drei. Gemeint ist damit der Vorgang, bei dem man seinen eigenen Namen in Suchmaschinen des Internets eingibt und dann gespannt verfolgt, was kommt. Auf Platz eins schafft es dann vor zwei Jahren die Redewendung „Läuft bei dir“. Allein die Wortfolge mögen manche als einen syntaktischen Fehlstart bezeichnen, damit zum Ausdruck gebracht werden soll, dass jemand „es drauf hat“, dass es eben gerade ziemlich gut läuft bei ihm oder ihr – auch im Sport?

Vor wenigen Tagen wurde das Jugendwort 2016 gekürt. Es lautet: „Fly sein“. Eine sinngemäße Übersetzung wird für alle, die mit „Fly sein“ (noch) nichts anfangen können, gleich mitgeliefert: „Fly sein“ bedeutet demnach „etwas oder jemand geht besonders ab“. Und damit sind wir wieder beim Sport: Gerade Situationen in körperlicher Bewegung beim Sport können wir als sensationelle Momente erleben, wo es (mit uns) besonders abgeht. Da reicht im Grunde schon die wörtliche Übersetzung von „fly“ mit der Zuwendung zu jenen Sportarten und Bewegungsformen aus, wo wir (meist kurze) Augenblicke des In-der-Luft-sein auskosten können, sei es beim Weitsprung in der Leichtathletik nach dem Absprung vom Balken bis zur Landung im Sand, sei es beim Wasserspringen, beim Gerätturnen, auf Skiern, auf einem Skateboard, im Sattel eines Reitpferdes usw.

„Fly sein“ im Sport – das Jugendwort des Jahres 2016 könnte so gesehen geradezu eine „zeitgemäße“ Einladung (nicht nur) für Jugendliche sein, es mal wieder mit dem Sport zu versuchen, um hier etwas besonders zu erleben. Dabei ist gerade im Sport der Weg vom „Fly“ erleben zum „Flow“ erleben gar nicht weit. Mit „Flow“ bezeichnen wir nämlich schon seit längerem jenes populäre Konzept des amerikanischen Psychologen Mihaly Csikszentmihaly, wo wir in unserem Tun so aufgehen, dass daraus ein Gefühl von Hochstimmung und tiefer Freude resultiert. Dabei geht es uns dann besonders gut. Kurz und bündig: Im „Fly“ können wir ganz „Flow“ sein – und umgekehrt.

(Autor: Prof. Detlef Kuhlmann)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • "Fly sein" auch beim Sport. Foto: picture-alliance
    "Fly sein" auch beim Sport. Foto: picture-alliance

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