Frauenquote – Motivation und Verpflichtung

Die Frauenquote in der Wirtschaft ist neu, beim DOSB gibt es sie schon etwas länger; einen Grund zu feiern sieht Präsidiumsmitglied Petra Tzschoppe, aber erst, wenn sie auch wirklich umsetzt wird.

Die Frauenquote wurde 2014  auf der Mitgliederversammlung des DOSB beschlossen, jetzt liegt es an den Vereinen und Verbänden diese mit Leben zu füllen. Foto: picture-alliance
Die Frauenquote wurde 2014 auf der Mitgliederversammlung des DOSB beschlossen, jetzt liegt es an den Vereinen und Verbänden diese mit Leben zu füllen. Foto: picture-alliance

Es wurde gefeiert in Berlin am 6. März: Torte und Sekt für ein neues Gesetz. Der Bundestag hatte am Vormittag mit großer Mehrheit eine Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte von Großunternehmen beschlossen. Mehr Frauen in Führungspositionen? Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an wegweisenden Entscheidungen? Nicht als vager Wunsch, sondern verbindlich geregelt?

Frauenministerin Manuela Schwesig bezeichnete es als einen „historischen Schritt“ bei der Durchsetzung der Gleichberechtigung. Das Gesetz werde nicht nur in den Führungsetagen, sondern für alle in den Unternehmen und im öffentlichen Dienst arbeitenden Frauen Veränderungen bewirken. Justizminister Heiko Maas wertete es als größten Beitrag zur Gleichberechtigung der Frauen seit der Einführung ihres Wahlrechtes.

Vorausgegangen war eine ein jahrelange, heftig und kontrovers geführte Debatte. Wo Appelle und Selbstverpflichtungen weitgehend folgenlos blieben, soll nun Gesetzeskraft zu Veränderungen führen. Die mediale Begleitung mit Pro- und Contra-Auffassungen war erheblich.

Am Vorabend der Abstimmung im Bundestag hatte Bundesministerin Schwesig zu einem Empfang anlässlich des Internationalen Frauentages eingeladen. Das E-Werk, ein ehemaliges Umspannwerk in Berlin-Mitte, konnte hierfür durchaus als Ort mit Symbolcharakter gelten. Hier sprach sie vor zahlreichen Frauen und bemerkenswert vielen Männern von einem „kulturellen Wandel“, den dieses Gesetz in unserem Land einleiten wird. Große Worte also und Party für ein Gesetz, das mehr Frauen in Führungspositionen bringen soll.

Diesen „Kulturwandel“ hat der DOSB für den organisierten Sport bereits eingeleitet. Am 6. Dezember 2014 hat die Mitgliederversammlung mit der neuen Satzung auch eine Geschlechterquote beschlossen. In allen seinen Gremien müssen nun Frauen und Männer zu jeweils mindestens 30 Prozent vertreten sein. Bei Einzelwahlen und bei den Mitgliedern des DOSB-Präsidiums gilt dies als Soll-Quote. Einen wegweisenden Beschluss haben die Delegierten damit ohne Gegenstimme gefasst – eher unaufgeregt, ohne nennenswerte mediale Resonanz und ohne große Party.

Unbemerkt sollte der Beschluss im DOSB und seinen Mitgliedsorganisationen aber auf keinen Fall bleiben. Der organisierte Sport hat mit diesem Beschluss seine besondere Verantwortung als große gesellschaftliche Kraft wahrgenommen. Eingebunden in die gesamtgesellschaftliche Diskussion ist der organisierte Sport hier einen Schritt voraus gegangen. Auch in anderen gesellschaftspolitischen Debatten, sei es um Integration und Inklusion, sei es gegen Diskriminierung und Gewalt, ist der Sport ein wichtiger Impulsgeber.

Chancengleichheit und Fairness sind grundlegende Prinzipien des Sports, folglich auch das Eintreten für Geschlechtergerechtigkeit. IOC-Präsident Thomas Bach hatte in diesem Zusammenhang einmal davon gesprochen, dass der „größte, noch nicht gehobene Schatz des Sports die Frauen...“ sind. Mit anderen Worten: wenn wir aktuelle Probleme des Sports lösen und Herausforderungen der Zukunft meistern wollen, sollten wir die Klugheit, die Energie und die Gestaltungskraft der Frauen viel stärker als bisher einbeziehen.

Die Quote in der Satzung des DOSB ist dafür ein hilfreiches Instrument. Beschlossen ist sie nun ebenso wie die Frauenquote für die großen Wirtschaftsunternehmen. Entscheidend wird aber sein, wie sie tatsächlich umgesetzt wird.

Verstehen alle unsere Mitgliedsorganisationen die Quote tatsächlich als Motivation und Verpflichtung, Gleichstellung konsequent umzusetzen? Dies werden die nächsten Jahre zeigen. Und wenn dann in den Präsidien und Vorständen Frauen keine verschwindend kleine Minderheit mehr sind, sondern gemeinsam mit den Männern die Entwicklung des Sports führen und gestalten – dann sollte tatsächlich gefeiert werden.

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Die Frauenquote wurde 2014  auf der Mitgliederversammlung des DOSB beschlossen, jetzt liegt es an den Vereinen und Verbänden diese mit Leben zu füllen. Foto: picture-alliance
    Die Frauenquote wurde 2014 auf der Mitgliederversammlung des DOSB beschlossen, jetzt liegt es an den Vereinen und Verbänden diese mit Leben zu füllen. Foto: picture-alliance

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