Gemeinsam Ziele erreichen und Spaß haben

Für Sportler*innen gilt: Vor der Leistung muss die Beschäftigung mit Glück und Krisenresistenz stehen. Denn Spaß oder Glück sind wichtige Faktoren für sportlichen Erfolg.

Andreas Toba kann bei den Finals in Berlin 2019 sein Glück kaum fassen. Foto: picture-alliance
Andreas Toba kann bei den Finals in Berlin 2019 sein Glück kaum fassen. Foto: picture-alliance

Lisa Unruh ist eine erfolgreiche Spitzensportlerin, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Silbermedaille im Bogenschießen gewonnen hat. Es ist der größte Erfolg in ihrer bisherigen Karriere, und natürlich hat sie ihn gebührend gefeiert. Heute sagt sie, dass das in Rio sehr schön gewesen sei, dass aber die Teamerfolge, zum Beispiel die Goldmedaille bei der Hallen-EM 2015, EM-Silber von 2014 oder EM-Bronze von 2016, um nur einige zu nennen, noch viel schöner gewesen seien als „da allein zu stehen“. Lisa Unruh stimmte dann auch dem Leitmotto von Dominik Dallwitz-Wegner „Gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Spaß haben“ aus vollem Herzen zu. Der Diplom-Soziologe hat diesen Satz in seinem Vortrag zum Thema „Glück und sportliche Führung“ in der Leistungssportkonferenz des DOSB in Medebach im Sauerland in den Mittelpunkt gestellt. 

Es ist auffällig, dass viele erfolgreiche Sportler*innen in Interviews gerne darauf hinweisen, dass sie in ihrem Sport vor allem Spaß haben wollen. Das ist nicht nur so dahingesagt – Experte Dominik Dallwitz-Wegner bestätigt, dass Spaß oder Glück wichtige Faktoren für sportlichen Erfolg seien. Wobei Glück in diesem Fall nicht unbedingt die kleinen Glücksmomente im Leben meint und schon gar nicht das, was umgangssprachlich auch mal als „Dusel“ bezeichnet wird. 

Viel eher ist es das Glück der Lebenszufriedenheit, das sich unter anderem daraus speist, was uns wirklich wichtig ist, was unsere Werte sind, unser Sinn und Zweck. Und vor allem auch daraus, gerade im Leistungssport, wie mit negativen Gefühlen umgegangen wird. Denn zum Sport gehört nun einmal auch die Niederlage, die Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung, das Grübeln und das Sinnieren – und, ja, auch die Krise. „Krisen geschehen“, sagt der Experte, aber der Umgang mit ihnen ist das Entscheidende. Bleibt man im Lamentieren stecken oder geht man die Suche nach Lösungen an? 

Die Krise bedeutet nicht das Ende des Lebens – als Beleg und wunderbares Beispiel für diese These führt Dallwitz-Wegner die Paralympics an. Die entscheidende Frage also lautet: Wie nutzt man Krisen? 

Auf jeden Fall möglichst positiv, das ist der Grundgedanke. Nie werde man zwar einen Pessimisten komplett in einen Optimisten verwandeln können, aber Zuversicht, Dranbleiben und Flow sollte für alle erreichbar sein. Auch Stress ordnet der Experte unter „positiv“ ein: „Stress macht Spaß, ohne Stress ist Leistung nicht möglich“. Die Kunst aber, die Grenzen zu erkennen, an denen Entspannungsphasen notwendig sind, macht es aus, denn chronischer Stress ohne Ausgleich sucht sich seinen Ausgang, meist im Burn Out oder der Depression. Für Handballspieler Finn Lemke, Bronzemedaillengewinner in Rio und – typisch für Leistungssportler*innen – extrem viel auf Reisen, ist das größte Glück, nach Hause zu seiner Familie zu kommen, wo er Ausgleich und Entspannung findet. 

Es war ein spannendes Thema für Bundestrainer*innen, Sportdirektor*innen, Olympiastützpunktleiter*innen und die Leistungssport-Verantwortlichen von DOSB und der LSB bei der diesjährigen Leistungssportkonferenz, bei dem klar wurde, dass vor der Leistung die Beschäftigung mit Glück und Krisenresistenz kommt. Dass das auch für Trainer*innen gilt, versteht sich von selbst – Ziele werden nur gemeinsam, sozusagen im Tandem erreicht, und Spaß ist sicher dabei, wenn auch nicht immer: Turner Andreas Toba hat z.B. nach den Finals in Berlin sein Glück geradezu ausgestrahlt und gesagt, er sei so happy, dass er wieder turnen könne nach all seinen Verletzungen. Aber ohne seinen Trainer, der ihn durchaus auch mal derb zum Weitermachen animiert habe, hätte er es nicht geschafft. 

Wie gesagt: Gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Spaß haben. 

(Autorin: Ulrike Spitz)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Andreas Toba kann bei den Finals in Berlin 2019 sein Glück kaum fassen. Foto: picture-alliance
    Andreas Toba kann bei den Finals in Berlin 2019 sein Glück kaum fassen. Foto: picture-alliance

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