Gute-Laune-Formel fürs Ehrenamt

Immer weniger Bürger engagieren sich ehrenamtlich im Sport, dabei kann das Ehrenamt viele Bedürfnisse befriedigen und auch noch Spaß machen, sagt Autor Jörg Stratmann.

Dem Ehrenamt fehlt es an Nachwuchs. Foto: LSB NRW
Dem Ehrenamt fehlt es an Nachwuchs. Foto: LSB NRW

Was wird aus dem Ehrenamt? Nehmen wir die Sportentwicklungsberichte und Freiwilligensurveys der jüngsten Zeit beim Wort, dann steht es gar nicht gut um die Bereitschaft, sich freiwillig zu engagieren und ehrenamtliche Aufgaben und Ämter zum Beispiel in unseren Sportvereinen zu übernehmen. Schlimmer noch: Die Vereine sehen sich vor existenziellen Problemen, wenn es darum geht, ehrenamtliche Funktionsträger, Trainer, Übungsleiter oder Schiedsrichter zu gewinnen und dann auch noch zu binden.

Um das zu ändern, hat sich schon einiges getan. Wirtschaft und Politik haben die Rahmenbedingungen verbessert, und neue Ideen werden gefördert und verbreitet. Viele Projekte des Sports sind schon auf den Weg gebracht. Auch das Internetportal www.ehrenamt-im-Sport.de ist neu aufgestellt, und „Engagementförderung“ ist als Themenschwerpunkt für den DOSB-Innovationsfonds 2015 ausgeschrieben. Aber weitere Hilfen sind nötig.

Vielfältige Gründe für Engagement

Warum engagieren sich Menschen ehrenamtlich? Die Gründe und Motive sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Und so vielfältig wie die Möglichkeiten, sich für etwas einzusetzen. Es werden persönliche, soziale und auch gesellschaftspolitische Gründe genannt. Nur selten ist es ein einzelnes Motiv, meist kommen mehrere zusammen.

Oft ist es der Wunsch, sich für andere einzusetzen und einen wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Oder es ist das Bedürfnis, mit anderen zusammenzukommen, auch Anerkennung und Wertschätzung zu erfahren und gemeinsame Ziele zu verfolgen. Mancher möchte praktische Erfahrungen sammeln oder sich selbst verwirklichen. Viele nutzen dabei die Möglichkeit, sich weiterzubilden und Kompetenzen zu erwerben; gerade für Jüngere können Qualifikationen, die sich über das Engagement erwerben lassen, eine besondere Motivation sein.

Untersuchungen zeigen, dass sich die jeweilige Bedeutung dieser Gründe mit den gesellschaftlichen Veränderungen und dem Strukturwandel im Sport verschiebt. Altruistische Motive sind immer noch prägend, aber zunehmend werden auch persönliche Gründe wichtiger. Ausbildungen und Erfahrungen können im Lebenslauf dokumentiert werden: Wer Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein im Ehrenamt bewiesen hat, kann damit auch in Bewerbungen punkten.

Und nach wie vor soll das Ganze Freude bereiten. Denn ohne Spaß an der freiwillig geleisteten Tätigkeit kommt auch das Ehrenamt nicht aus. Gerade nicht im Sport.

Ehrenamt muss Freude bereiten

Dass körperliches Wohlbefinden in hohem Maße zum Gesamtlebensgefühl beiträgt, ist wohlbekannt. So wie es kürzlich der Kölner Sportpsychologe Professor Jens Kleinert im Interview noch einmal erläuterte: Sport aktiviere den Körper und helfe, Einschränkungen zu beheben – und dieser körperliche Ausgleich wiederum führe zu psychischem Wohlbefinden. Das sei nicht zu trennen.

Aber es ist mehr, wie Kleinert ergänzte. Auch andere Bedürfnisse könne man wunderbar mit Sport befriedigen: das Bedürfnis nach Kompetenz, sich als fähig zu erleben, ebenso wie das Bedürfnis nach Beziehung, sei es zum Partner, zur Gruppe oder zur Gemeinschaft; und drittens das Bedürfnis nach Selbstbestimmung.

Womit wir wieder beim Ehrenamt wären und den verschiedenen Beweggründen, sich freiwillig im Sport zu engagieren. Und das Schönste: Je mehr diese Bedürfnisse befriedigt werden, umso glücklicher fühlt man sich. Ist es so einfach?

Wir sollten die ernsthaften Warnungen, dass die Bereitschaft zum Ehrenamt tendenziell sinke, nicht klein reden. Ebenso wenig die Anstrengungen, die Rahmenbedingungen für Engagement allgemein und im Sport im Speziellen zu fördern und auszubauen. Aber bei alledem täte ein Schuss der sportpsychologischen Gute-Laune-Formel gut. In aller Kürze: Es muss auch Spaß machen.

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Dem Ehrenamt fehlt es an Nachwuchs. Foto: LSB NRW
    Dem Ehrenamt fehlt es an Nachwuchs. Foto: LSB NRW

Diese Webseite nutzt Cookies

Wir verwenden auf unserer Webseite Cookies, um Inhalte zu personalisieren, die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren und somit unser Angebot zu verbessern. Wir erheben dabei nur pseudonyme Daten, eine Identifikation erfolgt nicht. Ferner geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Webseite an unsere Partner für Werbung und Analyse weiter.