Im Dschungel der Fördertöpfe

Zur 30. Gemeinschaftstagung „Internationales" trafen sich DOSB, dsj, Landessportbünden und ihre Jugendorganisationen in Frankfurt.

30. Gemeinschaftstagung beim LSB Hessen mit Joachim Dippel (Hessisches Landwirtschaftsministerium) Uwe Pulsfort (Bayer Leverkusen), Dr. Angelika Daalmann (LSB Niedersachsen), Andreas Klages (lsb h) und Folker Hellmund (EOC EU-Büro) (v.l.) Foto: lsb h
30. Gemeinschaftstagung beim LSB Hessen mit Joachim Dippel (Hessisches Landwirtschaftsministerium) Uwe Pulsfort (Bayer Leverkusen), Dr. Angelika Daalmann (LSB Niedersachsen), Andreas Klages (lsb h) und Folker Hellmund (EOC EU-Büro) (v.l.) Foto: lsb h

Aktuelle und künftige Fördermöglichkeiten  durch die Europäische Union standen im Mittelpunkt der 30. Gemeinschaftstagung Internationales, zu der sich in Frankfurt Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), der Deutschen Sportjugend (DSJ), der Landessportbünde und ihrer Jugendorganisationen sowie des EOC EU-Büros in der Sportschule des Landessportbundes Hessen getroffen haben.

Folker Hellmund, Direktor des EOC EU-Büros, und Andreas Bold, EU-Referent des DOSB in Brüssel, präsentierten die Entwicklungen in der EU-Sportpolitik und gaben einen Überblick über aktuelle und zukünftige Fördermöglichkeiten. Mit Blick auf die kommenden Förderperiode ab 2021 wurde diskutiert, wie der Sport besser von Programmen der EU profitieren könnte.

Dabei beschäftigten sich die Teilnehmer mit verschiedenen Fördermöglichkeiten wie dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), ELER (Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums) oder Erasmus+. Die Programme (bis auf Erasmus+) haben zunächst keinen direkten Bezug zum Sport, vielmehr liegen ihre Schwerpunkte in anderen Politikfeldern, z.B. der Entwicklung des ländlichen Raums.

Stimme des Sports wird gehört

Dass die Stimme des Sports dennoch durchaus gehört wird, machte Joachim Dippel vom Hessischen Landwirtschaftsministerium deutlich. Dippel ist dort verantwortlich für das Programm ELER und räumte ein, dass der Sport in diesem Förderprogramm zunächst keine große Rolle gespielt habe. Bei ELER stehe die Förderung des ökologischen Landbaus und die Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Land im Vordergrund. Durch die Zusammenarbeit mit dem Landessportbund Hessen im Begleitausschuss des Programms sei allerdings schnell deutlich geworden, dass auch der Sport und Sportprojekte durchaus förderfähig sein können. Der Sport und insbesondere die Sportvereine seien bedeutende Akteure der Zivilgesellschaft und die Schaffung und der Betrieb von Sportmöglichkeiten ein wichtiger Faktor für Lebensqualität im ländlichen Raum.

Strukturprogramme im Blick

Im Podiumsgespräch, moderiert durch Folker Hellmund (EOC EU-Büro), wurden unterschiedliche Ansätze vorgetragen, wie der organisierte Sport einfacher in den Genuss von EU-Fördermitteln kommen könnte. Andreas Klages, Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Hessen und Gastgeber der Tagung, betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit von Land, Kommunen und organisiertem Sport im Bereich der Sportentwicklung, insbesondere auch der Sportstättenentwicklung, sei. Dort gelte es, auch über die Ressortgrenzen der Ministerien hinaus, miteinander im Gespräch zu bleiben. Gemeinsames Ziel von Landesregierung, Kommunen und Landessportbund müsse sein, die besten Lösungen für den Sport zu finden.

Hierzu zähle zunächst, die jeweils zielführenden Förderungen zu identifizieren und die Sportorganisationen von der Antragstellung bis zur Umsetzung unterstützend zu begleiten, denn eines sei sicher: „unsere Vereine sind keine EU-Förderantragstellungsexperten“.

Den Fokus auf EU-Strukturfonds richten

Andreas Klages plädierte dafür, die EU-Strukturfonds noch mehr in den Blick zu nehmen. Zu einen läge der Förderanteil weit höher, als bei anderen Programmen,  zum anderen würden die Anträge von den Fondsverwaltern vor Ort bearbeitet werden, denen die Strukturen vor Ort nicht völlig fremd seien.

Politik muss vorangehen

Dr. Angela Daalmann, frühere Referentin für internationale Angelegenheiten und jetzige Leiterin der Stabsstelle für Grundsatzfragen beim LandesSportBund Niedersachsen, sah in erster Linie die (Europa)-Politik gefordert, um die Förderung des Sports und der Sportinfrastruktur nachhaltig zu verbessern. Angesichts der Tatsache, dass Sport und Sportförderung in vielen EU-Förderprogrammen nur am Rande oder gar nicht vorkommt sei es nötig, die politische Lobbyarbeit noch zu intensivieren. An dieser Stelle nahm sie auch das EOC-Büro in die Pflicht und wünschte sich noch mehr Unterstützung. „Man kann die Problematik nicht nur von der Arbeitsebene her betrachten, sondern muss die Frage auch politisch angehen“, betonte sie. Die Spitzen des organsierten Sports und die Politik müssten ihre Auffassung nach grundsätzlich klären, wie Sport künftig in den Genuss von EU-Fördermitteln kommen kann.

Hohe Hürden zu nehmen

Wie die Erfahrungen mit EU-Programmen konkret aussehen können, und welche Hindernisse es zu überwinden gilt, erläuterte Uwe Pulsfort, Vorstandsmitglied des Freiburger Kreises und Funktionär des TSV Bayer-Leverkusen. Sein Verein koordiniert seit kurzem eine EU-gefördertes Projekt im Bereich Sport und Gesundheit. Nach seiner Aussage handelt es sich aktuell um das einzige EU-Projekt, das gemeinsam mit einem Verein abgewickelt wird.

„Das hat zum Einen mit unserer Größe und Struktur zu tun, zum anderen spielt es eine große Rolle, dass wir als Verein auch Träger von offener Kinder- und Jugendarbeit sind und als ‚Quartiersverein‘ in die Strukturen der städtischen Zivilgesellschaft eingebunden sind“. Inwiefern das Leverkusener Projekt beispielgebend sein könne, wollte Pulsfort nicht eindeutig zu beantworten. Sein Urteil fiel eher skeptisch aus: „Die Hürden der EU-Projekte sind sehr hoch, so hoch, dass sich der damit verbundene Aufwand für ein einziges Projekt fast gar nicht lohnt“, dämpfte er die Erwartungen der Teilnehmer. Er plädierte für die Schaffung einer zentralen Stelle, die Vereine, Verbände und Sportbünde bei der Antragstellung unterstützt, Fragen beantworten und Hinweise geben kann. 

(Quelle: LSB Hessen)


  • 30. Gemeinschaftstagung beim LSB Hessen mit Joachim Dippel (Hessisches Landwirtschaftsministerium) Uwe Pulsfort (Bayer Leverkusen), Dr. Angelika Daalmann (LSB Niedersachsen), Andreas Klages (lsb h) und Folker Hellmund (EOC EU-Büro) (v.l.) Foto: lsb h
    Auf dem Podium Joachim Dippel (Hessisches Landwirtschaftsministerium) Uwe Pulsfort (Bayer Leverkusen), Dr. Angelika Daalmann (LSB Niedersachsen), Andreas Klages (lsb h), Folker Hellmund (EOC EU-Büro) Foto: lsb h

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