Inklusion im Kampfsport

Die HSB-Fachtagung „Inklusion im Kampfsport“ am 20.10.2018 war ein erfolgreicher Auftakt einer disziplinübergreifenden Tagung zur Inklusion im Sport

Teilnehmer der Fachtagung in Aktion (Quelle: HSB)
Ein Mann im Rollstuhl übt mit einem Fußgänger einen Befreiungsgriff der Hände

32 interessierte Teilnehmende aus verschiedenen Kampfsportdisziplinen im ETV kamen zusammen, um von und miteinander zu lernen, wie die Inklusion aller in der Vereinssportpraxis gelingen kann. Hierzu gab es wertvolle Impulse und praktische Tipps von den Referentinnen und Referenten Lea Holz und Helmut Behnke (Judo), Bodo Haß (Karate) sowie Holger Liedtke und Silvana Nowacki (Selbstverteidigung im Rollstuhl). Alle Teilnehmenden haben mit großem Interesse an den praktischen Übungen teilgenommen und gelernt, wie z. B. im Judo durch spielerische Kontaktaufnahme Berührungsängste abgebaut werden können und wie sich daraus erste Judotechniken (vom Hinabgleiten zum Fallen) entwickeln. Dabei wurde explizit auf die besonderen Bedürfnisse und Ängste von Teilnehmenden mit Behinderungen eingegangen und verschiedene Szenarien in den unterschiedlichen Situationen durchgespielt.

ETV-Trainerin Lea Holz (Judo) legt sehr viel Wert auf einen klaren, ritualisierten Ablauf der Übungsstunde. Ihr stehen bei durchschnittlich 15 Teilnehmenden je Gruppe 3 - 5 Trainer/innen zur Verfügung, deren Zuständigkeit im Team klar geregelt ist. Den ETV-Trainern/innen ist ihre „Luxussituation“ im Vergleich zu anderen Vereinen bewusst; aber dem ETV ist Integration und Inklusion wichtig und so wird die Arbeit der Judo-Abteilung entsprechend unterstützt. Es wird im Training eine positive Sprache verwendet: so einfach wie möglich, ohne Ironie und Sarkasmus. Trainingsprinzipien erstrecken sich von viel Kontakt zu wenig Kontakt sowie vom Leichten zum Schweren. Die Trainer/innen achten darauf, dass jede/r mit jedem die Übungen macht, denn jeder soll sich stark fühlen. Sie sind dafür zuständig, immer wieder neue Partner/innen zusammenzubringen. Zum Thema Inklusion und Kampfsport sagt Lea Holz: „Es sind ganz normale Trainingsmethoden, die Sportart wird nicht verändert, es müssen keine neuen Regeln oder Rahmenbedingungen geschaffen werden.“ Frage eines Teilnehmers: „Wie lange dauert es, einen Teilnehmer mit Behinderung einzubinden?“ Leas einfache Antwort darauf: „Nach dem ersten Termin!“ ETV-Trainer Helmut Behnke fordert die Vereine auf: „Traut euch einfach!“

Bodo Haß stellte im Karate-Bereich die kooperativen Aufgaben in den Vordergrund. Auch hier ist ein fester Ablauf (Rituale) vorhanden: Ankommen und Begrüßung – Aufwärmen – Techniktraining – Zusammenkommen mit gemeinsamen Übungen und Feedback – Abschlussritual. Diese ritualisierte Form schafft Sicherheit bei den Teilnehmenden und ermöglicht so eine Konzentration auf die Übungen und Techniken.

Im abschließenden dritten Praxisteil gab es für vielen Teilnehmenden einen Perspektivwechsel. Im Rollstuhl sitzend mussten körperliche Angriffe abgewehrt werden – für viele Teilnehmer/innen eine neue, ungewohnte Erfahrung. Die Referenten/innen Silvana Nowacki und Holger Liedtke veranschaulichten mit einigen realbezogenen Übungen, welche Möglichkeiten der Selbstverteidigung Rollstuhlfahrer/innen haben. Nicht hilfloses Opfer sein, sondern sich zur Wehr setzen können lautet die Botschaft. Dabei ist der Rollstuhlbereich nur ein Beispiel, auch bei anderen Behinderungsformen gibt es entsprechende Möglichkeiten.

Ein paar Stimmen von Teilnehmern/innen: 

Hartwig: „Ich fand es gut, dass wir praktische Dinge gehört haben. Diese bezogen sich nicht nur auf Menschen mit Behinderung, sondern auf verhaltensauffällige und störende Kinder. Es war eine super hier eine praktische Anweisung für den Trainingsalltag zu bekommen.“

Steffi: „Es ist toll, dass wir hier Referenten aus verschiedenen Sportarten haben. Der hohe Praxisanteil gibt einen guten Einblick in die Abläufe. Die Tagung ist vernünftig und gut vorbereitet. Gut, dass das Thema Inklusion im Sportverein besteht, es ist ein gesellschaftlich wichtiges  Thema, was viel zu wenig im Fokus steht. Behinderte Personen kriegen bisher noch viel zu wenig Berücksichtigung.

Thomas: Das wichtigste ist, dass viele Stilrichtungen vor Ort sind und man von allem mal was gesehen und gehört hat.

Gabi: Mir fehlen noch die Menschen mit Amputationen und Lähmungen.

Julia: Es war sehr lehrreich. Schön war, dass praktische Übungen gemacht worden sind, die auch gut auf meine Körpergröße (kleinwüchsig) und für eine Rollstuhlfahrerin abgewandelt wurden. Ich konnte selber einschätzen und entscheiden, was ist zu viel ist und was nichts für mich ist.

Fazit seitens der Teilnehmer/innen: Starker Wunsch nach Vertiefung, mehr!!!

 

Quelle (Text und Foto): Hamburger Sportbund


  • Teilnehmer der Fachtagung in Aktion (Quelle: HSB)
    Ein Mann im Rollstuhl übt mit einem Fußgänger einen Befreiungsgriff der Hände

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