Junge Sportler motivieren

Tomas Tonise (57), Generalsekretär des Estländischen Olympischen Komitees, fand auf dem Weg nach Singapur Zeit, sich im Gespräch mit dsj-Workcamp-Teilnehmer Maximilian Haupt Gedanken über die Premiere zu machen.

Tomas Tonise (r.) im Gespräch mit dsj-Workcamp-Teilnehmer Maximilian Haupt.
Tomas Tonise (r.) im Gespräch mit dsj-Workcamp-Teilnehmer Maximilian Haupt.

Zum ersten Mal finden in Singapur Olympische Jugendspiele statt. Sport und Kultur sollen eine Symbiose eingehen. Nicht Siege und Medaillen, sondern neue Freundschaften und bewussteres Leben sollen den Teilnehmern nach 14 Tagen in Erinnerung bleiben. Es ist ein Experiment, das das Internationale Olympische Komitee in Südostasien startet – und die Sportwelt schaut interessiert zu. Vor allem für die Repräsentanten der 205 Nationalen Olympischen Komitees gilt es die Frage zu beantworten, ob Aufwand und Ertrag im Verhältnis stehen.

MAXIMILIAN HAUPT:Premiere in Singapur: Zum ersten Mal veranstaltet das IOC olympische Jugendspiele. Welche Hoffnungen haben sie für die kommenden zwei Wochen?

TOMAS TONISE: Ich weiß nicht so recht, was ich von den Olympischen Jugendspielen erwarten darf. Beim European Youth Festival haben wir mit einer ähnlichen Veranstaltung gute Erfahrungen gemacht. Aber die Frage wird sein, wie motiviert die Athleten sind, an dem Kulturprogramm teilzunehmen. Das ist ein tolles Angebot und wir haben unsere Sportler darüber informiert. Insgesamt befürchte ich aber, dass den Athleten der Sport zu wichtig sein wird und das CEP darunter leidet.

HAUPT: Sind die Jugendspiele, was sie sein könnten?

TONISE: Ich bin schon alt und deswegen eher konservativ. Mir gefallen die traditionellen Sportarten. Ginge es nach den jungen Menschen, hätte es sicher noch die eine oder andere Veränderung beim Sportprogramm geben können. Aber wenn etwas Wichtiges beginnt, ist es am Anfang immer ein wenig ungewohnt. Wir müssen der Veranstaltung eine Chance geben. Junge Sportler sind immer motiviert, an Wettkämpfen teilzunehmen, deshalb mache ich mir für Singapur dahingehend keine Sorgen. Wichtig ist, dass es ernsthafte Wettkämpfe sind und nicht zur Spaßveranstaltung verkommt. Als Athlet interessieren dich nur Ergebnisse, also muss es einen Wettkampf geben. Wenn das Format es allerdings erlaubt, sich auf den Sport zu konzentrieren und dabei neue Freunde zu finden, dann ist das toll. Das Beste wäre, wenn die Athleten während der ganzen Jugendspiele glücklich und zufrieden sind, unabhängig vom Ergebnis.

HAUPT: Ist es nicht komisch, den Sportlern die heile Welt zu simulieren und sie dann wieder in die harte Realität mit dem Kampf um Sponsoren und Anerkennung zu schicken?

TONISE: Die Sportler sind jetzt in einem Alter, in dem sie bereits seit acht, neun Jahren ihren Weg verfolgen. Die sind in der Spur und kennen die Bedingungen, denen muss man die Richtung nicht mehr zeigen. Schön ist es, wenn sie durch eine solche Veranstaltung zusätzlich motiviert werden, den eingeschlagenen Weg beizubehalten, weiter zu trainieren. Dass die Welt der YOG mit den großen Spielen kollidiert, das glaube ich nicht.

HAUPT: Was muss in den kommenden zwei Wochen passieren, damit sie sagen, das war gut?

TONISE: Wenn meine Athleten glücklich sind und neue Motivation gefunden haben, dann waren es gute Spiele. Man muss nicht nur auf die Resultate schauen.


  • Tomas Tonise (r.) im Gespräch mit dsj-Workcamp-Teilnehmer Maximilian Haupt.
    Tomas Tonise (r.) im Gespräch mit dsj-Workcamp-Teilnehmer Maximilian Haupt.

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