Können Sporterfolge wahlentscheidend sein?

"Wie viel Sport braucht Deutschland?" lautete das Thema einer Podiumsdiskussion im Studio B des DeutschlandRadio Berlin unter der Leitung des

Chefredakteurs Prof. Rainer Burchardt. Die Antwort auf die im Thema gestellte Frage lässt sich nach der lebendigen Diskussion, die live von dem für seine informative Hintergrundberichterstattung bekannten Sender übertragen wurde, nicht in konkreten Zahlen oder Prozenten ausdrücken. Heraus kam aber, dass der Sport eine bedeutende gesellschaftspolitische Rolle spielt. Peter Rauen, der CDU-Bundestagsabgeordnete und neue Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, drückte das so aus: "Sport ist das, was wir alle im Leben brauchen, und was die meisten seit frühester Jugend begleitet. Die Bedeutung des Sports und die ehrenamtliche Leistung kann gar nicht oft genug herausgestellt werden." Manfred von Richthofen, der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), dessen Führungsakademie die Podiumsdiskussion veranstaltete, wird sich auch an anderer Stelle über Äußerungen Rauens gefreut haben, der sich ohne Wenn und Aber als ein Mann des Sports präsentierte. Rauen sagte, er habe mit großer Begeisterung den Forderungskatalog des Deutschen Sportbundes an die Politik vor den Wahlen gelesen und folgert daraus: "Das ist die Baustelle, um die wir uns zu kümmern haben."

Die Diskutanten in dem Berliner Rundfunkstudio, zu denen noch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Gerhard Mayer-Vorfelder, der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe, Hans-Ludwig Grüschow, der ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf und der Leiter des Bereiches Sportmarketing der Deutschen Telekom AG, Jürgen Kindervater, zählten, waren sich also über die herausragende Rolle, die der Sport in unserem Land spielt, einig. Es wurde aber auch wieder deutlich, dass Sport nicht gleich Sport ist. Dies zeigte die Definition des Fernseh-Mannes Boßdorf: "Sport ist alles, was mit Bewegung zu tun hat. Aber das heißt nicht, dass dies auch alles etwas für das Fernsehen ist."

Rasch wurde in der Diskussion deutlich, dass es nur wenige Großverdiener unter den Sportlern gibt. Sporthilfe-Chef Grüschow: "94 Prozent der von uns geförderten 3800 Athletinnen und Athleten haben nie eine Chance, Profi zu werden. Da muss immer wieder die Frage gestellt werden, wie es für die nach dem Sport weiter geht." DSB-Präsident von Richthofen stellte das Engagement der Bundeswehr, des Bundesgrenzschutzes und des Zolls für den Spitzensport mit der Einrichtung der Sportkompanien als vorbildlich heraus. DFB-Präsident Mayer-Vorfelder machte deutlich, dass es auch im Fußball Probleme gibt: "Wir haben 800 Profis in der Bundesliga, aber zwei Millionen Fußballer fangen ganz unten an. Wir tun uns schwer, Sponsoren für unsere Talent-Förderungsaktionen zu finden."

Auch Manfred von Richthofen weiß ein Klagelied davon zu singen, wie schwer es ist, Partner in der Wirtschaft für sensible Projekte, wie zum Beispiel die Nationale Anti-Doping-Agentur, zu finden: "Da unterstützen uns nur die Deutsche Telekom AG und die Deutsche Bank. Alle anderen appellierten immer wieder an uns, wir sollten noch mehr für einen sauberen Sport tun. Doch als es galt, sich zu engagieren, kam nichts mehr."

Angesprochen wurden auch die Herausforderungen, die künftig an den Sport gestellt werden. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass sportliche Großereignisse, die nach Deutschland kommen, dem Land gut tun. Noch nie habe man zum Beispiel die Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet mit ihren Zielen und Ansprüchen unter einen Hut gebracht, sagte Hans-Ludwig Grüschow. Das sei jetzt aber im Zuge der Olympiabewerbung Frankfurt-Rhein-Main gelungen. DSB-Präsident von Richthofen sprach gar von "einer sensationellen Wirkung", die Großveranstaltungen haben. So bewege sich in den fünf Bundesländern, die Olympia wollen, ungeheuer viel zum Beispiel mit der Förderung des Schulsports und der Finanzierung von Trainerstellen. Für die Zukunft forderte von Richthofen den Deutschen Bundestag auf, die vorliegenden Vorschläge zur Stärkung des Ehrenamtes auch umzusetzen. Eine neue Herausforderung für den Sport gäbe es auch mit der Einrichtung der Ganztagsschulen: "Hier müssen sich Partnerschaften zwischen Schulen und Vereinen entwickeln, wie wir sie bisher noch nicht kannten." Von Richthofen forderte weiter, auch "im Dilemma der Gesundheitspolitik den Sport mit seinen Präventivmaßnahmen mehr einzubinden".

Wie sehr der Sport Entwicklungen beeinflusst, machte schließlich auch Moderator Burchardt deutlich: "Ohne das gute Abschneiden bei der Fußball-WM hätte Bundeskanzler Schröder bei den Wahlen vielleicht zwei Prozentpunkte weniger



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