Millimeter und andere Kleinigkeiten

Der Blick auf die Zwischenbilanz tut gut. Aber zum einen ist das nur eine Momentaufnahme. Zum anderen bleibt verborgen, dass olympische Wettkämpfe nicht nur von Edelmetall geprägt sind.

Erfolg macht gute Laune: (v. r.) Mit Olympiasieger Eric Frenzel freuen sich Teamkollege Fabian Rießle und DOSB-Pressesprecher Christian Klaue (Foto DOSB)
Erfolg macht gute Laune: (v. r.) Mit Olympiasieger Eric Frenzel freuen sich Teamkollege Fabian Rießle und DOSB-Pressesprecher Christian Klaue (Foto DOSB)

Woher kommen eigentlich die Medaillen? Die Frage stellt sich ganz praktisch, wenn beispielsweise plötzlich zwei Olympiasieger in einem Wettbewerb wie der Frauen-Abfahrt zu ehren sind. Aber sie stellt sich auch ganz allgemein, wenn der zwischenzeitliche Blick auf den Medaillenspiegel erfreulicherweise und allen Unkenrufen zu Trotz beweist: Wir sind Spitze!

Die erste Frage ist schnell beantwortet. Die Organisatoren haben eine Medaillen-Reserve angelegt, um auf plötzlichen Andrang auf den verschiedenen Stufen des Siegerpodests vorbereitet zu sein. Zusätzliche Medaillen müssen dann nur noch mit der jeweiligen Gravur des Wettbewerbs versehen werden. Dafür benötigt der zuständige Juwelier etwa 15 Stunden, das hat das Wallstreet Journal aus gegebenem Anlass recherchiert. Auch dass alle Medaillen, die bei den Spielen nicht vergeben wurden, wie etwa die silberne in der Abfahrt der Frauen, anschließend ans Olympische Museum in Lausanne gehen.

Die zweite Frage ist schon heikler. Welchen Aufwand ein Team treiben muss, damit selbst ein erklärter Favorit wie Dauersieger Eric Frenzel in der Nordischen Kombination auch olympisches Gold gewinnt, hat der Athlet am Tag danach geschildert.

Um es kurz zu machen: Auch dieser individuelle Erfolg ist die Leistung eins großen Teams, das zumeist unerkannt im Hintergrund wirkt. Wie etwa die zehn bis zwölf Techniker und Betreuer, die bis kurz vor dem Wettkampf testen, tüfteln, wachsen und schleifen, um aus den 120 zur Verfügung stehenden Paar Ski jeweils das beste für den Athleten herauszufinden.

Das hat offensichtlich glänzend geklappt. Und doch blicken die Helfer um den Sportlichen Leiter Horst Hüttel zuweilen auch neidisch auf andere Teams, die ihre umfangreiche Ausrüstung beispielsweise funktionsbereit in einem Wachs-Truck zu den Wettkämpfen schaffen können. Weil Hüttels Techniker "schon an der Grenze arbeiten", bleibt der Wunsch, den Olympiasieger Eric Frenzel im Namen des ganzen Stabes gleich mehrfach bekräftigte: "Einen Truck hätten wir auch gern."

Einen ähnlichen Aufwand, begleitet von Videoanalysen und anderen wissenschaftlichen Werten beispielsweise aus dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig, treiben auch die übrigen Sportarten in der Deutschen Olympiamannschaft. Doch nicht alles lässt sich bis auf die Hundertstelsekunde oder den letzten Millimeter berechnen, an denen sich der Medaillengewinn entscheiden kann.

Das erlebte Biathlet Simon Schempp beim allerletzten Schuss in der Verfolgung. Das widerfuhr Eisschnellläuferin Claudia Pechstein über 3000 Meter. Und vor allem auch den Curlern um Skip John Jahr, die in bislang allen vier Spielen gegen die versammelte Weltklasse jeweils erst im letzten End am möglichen Erfolg vorbeiglitten.

Und das durchlitten schließlich auch gleich beide Eissprinter, Nico Ihle und Samuel Schwarz, als Vierter und Fünfter über 1000 Meter. So großartig ihre Leistungen auch waren - zum Bronzerang fehlten halt nur 12 und 15 Hundertstel. Deshalb wussten sie beide zunächst nicht, "ob man weinen oder lachen soll". Verständlich jedenfalls, dass zunächst Männertränen flossen.

All das macht Hochleistungssport aus: ein höchst kompliziertes Zusammenspiel, das auf den Punkt geplant sein will und selbst dann noch von Überraschungen oder unkalkulierbaren Einflüssen abhängt. Oder auch Faktoren, die sich gottlob jeder Planung entziehen.

Wie etwa bei Eric Frenzel. Dass beim coolen Olympiasieger nach dieser Krönung einer großartigen Saison die Spannung nicht nachlässt, könnte nun auch die Familie bewirken, die den Athleten jetzt in Sotschi besucht. So sehr ihm das Team aus Trainern und Technikern im Hintergrund hilft: Vor allem den Seinen möchte Frenzel bei den weiteren Wettkämpfen auf der Großschanze und im Team noch etwas bieten.

Uns kann es recht sein. Wir freuen uns darauf.

Jörg Stratmann


  • Erfolg macht gute Laune: (v. r.) Mit Olympiasieger Eric Frenzel freuen sich Teamkollege Fabian Rießle und DOSB-Pressesprecher Christian Klaue (Foto DOSB)
    Erfolg macht gute Laune: (v. r.) Mit Olympiasieger Eric Frenzel freuen sich Teamkollege Fabian Rießle und DOSB-Pressesprecher Christian Klaue (Foto DOSB)

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