„Netzwerk des Sports, der Sportwissenschaft und des Schulsports weiter ausbauen"

Die Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes-/Körpererziehung, Gudrun Doll-Tepper, beantwortet im Interview Fragen zur deutschen Sportwissenschaft im internationalen Vergleich und zum Ende ihrer Amtszeit.

Die Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes-/Körpererziehung (ICSSPE), Gudrun Doll-Tepper, gibt ihr Amt Ende des Jahres ab.
Die Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes-/Körpererziehung (ICSSPE), Gudrun Doll-Tepper, gibt ihr Amt Ende des Jahres ab.

Nach zwölf Jahren gibt die Berliner Sportwissenschaftlerin und DOSB-Vizepräsidentin für Bildung und Olympische Erziehung, Prof. Dr. Dr. h. c. Gudrun Doll-Tepper, Ende 2008 das Amt als Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes-/Körpererziehung (International Council of Sport Science and Physical Education, ICSSPE) an die Ende Juli bei der Generalversammlung in Guangzhou (China) gewählte Britin Prof. Dr. Margaret Talbot ab. Vor den fetzten knapp hundert Amtstagen beantwortet Gudrun Doll-Tepper acht Fragen für die DOSB PRESSE. 

DOSB PRESSE: Welche „Baustellen" als drängende Aufgaben verbleiben noch für die Zeit bis Ende Dezember?

DOLL-TEPPER: Auf der Generalversammlung sind vor allem strategisch bedeutende Beschlüsse gefasst worden. Diese gilt es so schnell wie möglich umzusetzen, dazu gehört u. a., den Sitz des Weltrates in Berlin zu sichern. Außerdem müssen dringend neue Vereinbarungen zwischen ICSSPE, IOC, IPC und FIMS getroffen werden, damit die Vorbereitungen für den zweiten gemeinsamen Kongress („International Convention on Science, Education and Medicine in Sport“) im Jahre 2012 in Großbritannien beginnen können. Dieser erstmals unmittelbar vor den Olympischen Spielen 2008 durchgeführte gemeinsame internationale Kongress hat deutlich gemacht, wie hilfreich und wichtig diese Zusammenarbeit für alle Beteiligten sein kann. 

DOSB PRESSE: Welches Resümee Ihrer Arbeit ziehen Sie insgesamt nach der zwölfjährigen Amtszeit? Was hat sich bewegt? Was liegt noch brach?

DOLL-TEPPER: Der enorme Einsatz, das internationale Netzwerk des Sports, der Sportwissen-schaft und des Schulsports weiter auszubauen, das alles hat sich sehr gelohnt. Die Partner-schaften mit den Vereinten Nationen (UN) einschließlich der UNESCO und dem Genfer UN Büro für Sport für Entwicklung und Frieden unter Leitung von Wilfried Lemke sowie mit dem IOC stehen auf sicheren Füßen. Wir werden als verlässlicher, aber auch als kritischer Partner geschätzt. Diese Verbindungen erfordern kontinuierliches Engagement und innovative Ideen - das zu realisieren ist keineswegs leicht, basiert doch die Arbeit der meisten Mitgliedsorganisationen von ICSSPE auf ehrenamtlichem Engagement. 

DOSB PRESSE: Auf welchem Niveau befindet sich derzeit die Sportwissenschaft in Deutschland im internationalen Vergleich?

DOLL-TEPPER: In den einzelnen sportwissenschaftlichen Teildisziplinen werden die deutschen Kollegen und Kolleginnen im internationalen Kontext sehr geschätzt. Nehmen wir nur den Fall Pistorius, mit dessen Bearbeitung der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) den Kollegen Prof. Dr. Brüggemann und dessen Team an der Deutschen Sporthochschule in Köln beauftragt hat. Unabhängig davon würde ich mir ein noch stärkeres Engagement deutscher Vertreter und Vertreterinnen in Führungsgremien des internationalen Sports und der Sportwissenschaft wünschen. 

DOSB PRESSE: Der Weltrat (ICSSPE) hat unter Ihrer Federführung 1999 in Berlin den 1. Weltgipfel des Schulsports abgehalten? Was hat sich seitdem verändert - national und international?

DOLL-TEPPER: Der 1. Weltgipfel zum Schulsport 1999 in Berlin und der 2. Weltgipfel 2005 in Magglingen gehören zu den wichtigsten Ereignissen meiner Amtszeit. Unsere Analysen und Empfehlungen haben große Bedeutung für die Entwicklung des Schulsports auf nationaler und internationaler Ebene. Zwischenzeitlich hat es regionale Veranstaltungen hierzu in Lateinamerika gegeben, auch Australien plant eine regionale Konferenz. In einigen Ländern, so auch in Deutschland, hat es nationale Bestandsaufnahmen gegeben, die klare Signale für eine Verbesserung des Schulsports gegeben haben. Hier muss mit Nachdruck die Umsetzung der Handlungsempfehlungen verfolgt werden. Deutlich ist, dass dem Schulsport von vielen Verantwortlichen, so zum Beispiel von Gesundheitsexperten, ein großes Potenzial zur Bekämpfung von Zivilisationskrankheiten zugesprochen wird. Das war in der Vergangenheit nicht so. 

DOSB PRESSE: ICSSPE wurde in diesem Jahr 50 Jahre alt - wird der runde Geburtstag noch gefeiert?

DOLL-TEPPER: Wir haben dieses Jahr unter das Motto „50 Years of Science, Service and Advocacy" gestellt. Für diese Konzepte steht die Organisation seit ihrer Gründung - für ein wissenschaftlich fundierte Aktivitäten, für die Beratung von Partnern inner- und außerhalb der Welt des Sport, für unseren Einsatz für die positiven Werte des Sports sowie dafür, dass jeder Mensch dessen Vorteile erfahren kann. Darüber hinaus haben wir anlässlich unserer Sitzungen und der Generalversammlung in Guangzhou einen Empfang durchgeführt, an dem neben vielen Mitgliedern auch Vertreter unserer Partnerorganisationen teilgenommen haben. Dort wurde auch die 5. Ausgabe unseres „Directory of Sport Science" vorgestellt, das einen ausgezeichneten Überblick über die zahlreichen Teildisziplinen der Sportwissenschaft mit vielen Kontaktdaten weltweit gibt. Anlässlich unseres Jubiläums ist diesem Handbuch ein historischer Abriss über die Aktivitäten von ICSSPE in den fünf Jahrzehnten vorangestellt. Ganz besonders gefreut habe ich mich darüber, dass diese Publikation mir gewidmet wurde. 

DOSB PRESSE: Welche Wünsche geben Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg?

DOLL-TEPPER: Ich freue mich sehr, dass mit Frau Professor Dr. Margaret Talbot eine international renommierte und mit dem Weltrat sehr vertraute Kollegin als neue ICSSPE-Präsidentin gewählt wurde. Als unsere bisherige Vizepräsidentin hat sie über viele Jahre bereits eng mit mir zusammengearbeitet, und ich wünsche ihr, dass sie unsere bisherige Arbeit mit großem Elan und Erfolg fortsetzen kann. Sie wird sicherlich auch neue Akzente setzen - ich denke hier an Themen des Leistungssports sowie weiterhin an die Förderung des Schulsports. 

DOSB PRESSE: Muss man sich nun mit Ihrem Ausscheiden Sorgen machen um die weitere Repräsentanz deutscher Funktionsträger in internationalen Gremien?

DOLL-TEPPER: Von deutscher Seite sollten wir alle Anstrengungen unternehmen, in internationalen Gremien des Sports, der Sportwissenschaft und des Schulsports Führungspositionen zu übernehmen. Neben Detlef Dumon, der als Geschäftsführender Direktor von ICSSPE seine Tätigkeit auch über meine Amtszeit hinaus fortsetzt, wurde als weiterer Deutscher der TAFISA -Generalsekretär Wolfgang Baumann in den Vorstand gewählt. Das ist sehr erfreulich! In der kommenden Zeit sollten wir uns verstärkt bemühen, unsere Repräsentanz im internationalen Sport und in der Sportwissenschaft zu erhöhen. Daran werde ich mich mit aller Kraft beteiligen. 

DOSB PRESSE: Eine letzte (persönliche) Frage: Zwölf Jahre Weltratspräsidentin - und was kommt danach?

DOLL-TEPPER: Als DOSB-Vizepräsidentin für Bildung und Olympische Erziehung sowie als Vorstandsvorsitzende der DOA habe ich zwei wichtige ehrenamtliche Funktionen auf nationaler Ebene inne, denen ich mich nun stärker widmen kann. Ich werde mich jedoch auch weiterhin in internationalen Gremien engagieren, so z.B. in Kommissionen des IOC, sicherlich auch im Weltrat.


  • Die Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes-/Körpererziehung (ICSSPE), Gudrun Doll-Tepper, gibt ihr Amt Ende des Jahres ab.
    Die Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes-/Körpererziehung (ICSSPE), Gudrun Doll-Tepper, gibt ihr Amt Ende des Jahres ab.

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