Schulsport in Zeiten von Corona

Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) hat ein Positionspapier veröffentlicht, mit dem er zur Wiederaufnahme des Sportunterrichts auffordert.

Der bewegungsarme Alltag von Schülerinnen und Schülern soll nach dem Willen des Sportlehrerverbandes bald vorbei sein. Foto: picture-alliance
Der bewegungsarme Alltag von Schülerinnen und Schülern soll nach dem Willen des Sportlehrerverbandes bald vorbei sein. Foto: picture-alliance

Wo bleibt der Schulsport in Zeiten von Corona? In der vergangenen Woche wurde der Schulbetrieb in allen Bundesländern wieder aufgenommen. Das geschah jedoch überall mit großen Einschränkungen: So durften z.B. nur Schüler*innen bestimmter Jahrgangsstufen in die Schule zurückkehren, und der Unterricht wird momentan auf die Kernfächern (z.B. Deutsch, Mathematik) begrenzt. Der Sportunterricht gehört dazu nicht. Einzelne Bundesländer haben das sogar explizit per Erlass manifestiert. So heißt es beispielsweise in einem aktuellen Leitfaden des Kultusministeriums Niedersachsen für Schulleitungen und (Fach-) Lehrkräfte an einer Stelle: „In den Jahrgängen 1 -10 findet bis auf Weiteres kein regulärer Sportunterricht statt. Die Schule sorgt für alternative Bewegungsangebote – unter Wahrung des Abstandsgebotes und nach Möglichkeit im Freien.“

Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV), Mitgliedsorganisation im Deutschen Olympischen Sportbund in der Gruppe der Verbände mit besonderen Aufgaben, verfolgt diese Situation mit großer Sorge, zumal der Alltag vieler Kinder gerade in den vergangenen (schulfreien) Wochen durch Inaktivität, erhöhten Medienkonsum und sitzende Tätigkeiten „at home“ geprägt war, ganz zu schweigen von den erheblichen gesundheitlichen Konsequenzen auf physischer und psycho-sozialer Ebene, die sich aus einem bewegungsarmen Alltag für die Heranwachsenden daraus ergeben. Daher fordert der DSLV jetzt in seinem bundesweit veröffentlichten „Positionspapier Sportunterricht in Zeiten von Corona“ die sofortige Wiederaufnahme des regulären Sportunterrichts in die Stundenpläne, allerdings unter Beachtung der überall geltenden Einschränkungen (z.B. Abstandsregel).

Gerade vor diesem Hintergrund ist eine qualifizierte Erteilung im Sportunterricht und der weiteren Angebote des außerunterrichtlichen Schulsports (z.B. Pausensport) angezeigt: „Eine professionelle sportpädagogische Anleitung des Sportunterrichts in der Schule ist somit - auch hinsichtlich der Vermeidung von Überforderung, Unfällen und Verletzungen - dringend notwendig. Um der Bewegungsarmut und Inaktivität entgegenzuwirken, ist es unerlässlich zu thematisieren, wie sich die Schüler*innen Zuhause oder im Freien allein oder mit Abstand zu zweit in ihrer freien Zeit und den Sommerferien – möglicherweise bei geschlossenen Freibädern – sinnvoll und sicher bewegen und sportlich betätigen können“, heißt es in dem Positionspapier weiter.

Gerade weil der Sportunterricht in den nächsten Wochen und Monaten im Freien stattfinden kann, ergeben sich vielfältige und mancherorts sogar innovative Möglichkeiten z.B. auf Sport-plätzen und drumherum sowie in Parks. Auch Partnerspiele wie Tischtennis, Badminton, Speedminton und andere kleine Spiele ohne Körperkontakt sowie Inlineskaten etc. können zu attraktiven Unterrichtsthemen gestaltet werden. Ebenfalls fordert der DSLV Lösungen zur Vermeidung des erhöhten Infektionsrisiko beim Umkleiden, Duschen und Waschen. Ein Vorschlag des Verbandes lautet dahingehend, dass der Sportunterricht vorzugsweise in Randstunden stattfindet, so dass das Duschen ausnahmsweise auch zuhause folgen kann.

Michael Fahlenbock, der Präsident des DSLV und im Hauptberuf als Akademischer Direktor im Institut für Sportwissenschaft der Bergischen Universität Wuppertal selbst derzeit mit den Auswirkungen von Corona für die Ausbildung von Sportstudierenden beschäftigt, unterstreicht den Appell mit einer Dringlichkeit: „Es ist gerade in diesen sorgenvollen Zeiten wichtig wie nie zuvor, dass Schülerinnen und Schüler vielschichtige Bewegungsgelegenheiten erhalten – nicht nur, aber an erster Stelle in der Schule, wo wir alle Kinder und Jugendlichen erreichen und mitnehmen können“. Positiv gewendet könnte das auch dazu führen, dass der Schulsport insgesamt trotz der derzeitigen „systembedingten“ Einschränkungen mit neuer Stärke glänzt – wie schließt doch das Positionspapier ganz am Ende: „Nur Schulsport bewegt alle!“.

(Quelle: DSLV)


  • Der bewegungsarme Alltag von Schülerinnen und Schülern soll nach dem Willen des Sportlehrerverbandes bald vorbei sein. Foto: picture-alliance
    Der bewegungsarme Alltag von Schülerinnen und Schülern soll nach dem Willen des Sportlehrerverbandes bald vorbei sein. Foto: picture-alliance

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