Sehbehindert und Übungsleiter

Rolf Abel aus Baden-Baden hat mit einer schweren Sehbehinderung die Prüfung zum Übungsleiter bestanden. Der Badische Behinderten- und Rehabilitationssportverband erzählt seine Geschichte.

Rolf Abel  Foto: Badischer Behinderten- und Rehabilitationssportverband
Rolf Abel Foto: Badischer Behinderten- und Rehabilitationssportverband

„Geht nicht gibt’s nicht“ – das ist das Lebensmotto von Rolf Abel. Der 61jährige ist seit 1980 aufgrund einer plötzlich auftretenden Sehverschlechterung hochgradig sehbehindert. Wegen seiner Beeinträchtigung besucht Rolf Abel, für den Sport treiben und soziale Kontakte zu pflegen selbstverständlich sind, regelmäßig die Reha-Sportstunden der BSG Freistett. Während einer Übungsstunde, so erklärt uns Rolf, habe er sich überlegt, dass er auch im Rentenalter noch etwas Sinnvolles tun möchte. Er stellte sich die Frage, ob er als Sehbehinderter die Ausbildung zum Übungsleiter absolvieren und selbst als Übungsleiter eine Reha-Sportgruppe anleiten könnte. Beruflich bringt Rolf beste Voraussetzungen für die Übungsleiterausbildung im Bereich Orthopädie mit: Nach seiner plötzlichen Erkrankung musste er sich beruflich umorientieren und absolvierte die Umschulung zum Masseur. Seit 1986 arbeitet er als Masseur in der Caracalla-Therme / Friedrichsbad in Baden-Baden. Übers Internet stieß Rolf bei seiner Recherche nach der Übungsleiterausbildung schnell auf den BBS.

Sport-Inklusionsmanagerin Kim Früh nahm Kontakt mit Rolf Abel auf und besuchte ihn zusammen mit der BBS-Lehrreferentin Eva Klavzar zu einem Kennenlernen bei sich zuhause. Schnell waren sich alle Beteiligten einig, dass einer Übungsleiterausbildung nichts im Wege stehe. Einige Besonderheiten gab es natürlich zu beachten und gemeinsam wurden „Stolpersteine“ aus dem Weg geräumt. Schon vor der Ausbildung war Rolf gemeinsam mit Eva Klavzar zu einem Rundgang in der barrierefreien Sportschule in Steinbach, wo die mehrwöchige Ausbildung dann auch stattfinden sollte. Dieser Rundgang diente zur Orientierung und hat dem zweifachen Familienvater bei der späteren Ausbildung sehr geholfen.

Als besonders positive Erfahrung schildert uns Rolf die Unterstützung vom BBS. So wurden die Skripte auf Rolfs Bedürfnisse angepasst und in digitaler Form zur Verfügung gestellt. Mit seiner Vergrößerungssoftware und der Sprachausgabe am PC, sowie der Vorlesefunktion auf seinem iPad konnte Rolf alle Skripte lesen bzw. hören.

Kleine Hürden traten dann aber hin und wieder doch auf: In der Grundlagenausbildung erhielten die Teilnehmer von dem Referenten einen Lückentext… Diesen konnte Rolf nicht bearbeiten. Kurzerhand schickte der Referent die Vorlage per Email an den sehbehinderten Rolf Abel, der den Lückentext dann auf seinem Laptop bearbeiten konnte. Die Mitarbeiter des BBS unterstützten Rolf Abel während dessen gesamter Ausbildung. Schnell zeigte sich aber, dass er deutlich weniger Unterstützung und Hilfe benötigte, als vorab erwartet. Wir haben Rolf als absolut lösungsorientierten Menschen erlebt, der nur selten mit Fragen oder Änderungswünschen an uns herantrat. Mit seinem Weitblick präsentierte Rolf uns schon frühzeitig Handlungsalternativen und Lösungsvorschläge für verschiedene Szenarien.

In den praktischen Ausbildungseinheiten nahm Rolf immer aktiv teil. Die Gruppe unterstützte ihn wenn er Hilfe brauchte und die Referenten waren kreativ, wenn es darum ging einzelne Übungen für Rolf zu variieren. Die anderen Ausbildungsteilnehmer haben Rolfs Teilnahme an den Lehrgängen als sehr positiv und bereichernd empfunden und sie wurden bereits während ihrer Ausbildung auf ihre spätere Übungsleitertätigkeit mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen vorbereitet. Schnell wurden beim Sport Distanzen und Hemmungen abgebaut und so standen das Miteinander und der Spaß an der Bewegung im Vordergrund. Mit seiner ruhigen und freundlichen Art konnte Rolf sich sehr gut in die Gruppe integrieren und zeigte sich als wertvolles Mitglied. Weil er alleine gut zurechtkam und für sich selbst Wege, Alternativen und Handlungsweisen entwickelt hat um sich selbst zu organisieren, geriet seine Sehbehinderung immer wieder in Vergessenheit. Man musste schon sehr genau hinsehen, um zu bemerken, dass Rolf eine starke Sehbeeinträchtigung hat.

Für die schriftliche Prüfung war schnell eine Alternative gefunden: Kim Früh hat ihm die Multiple Choice Fragen vorgelesen und er nannte die richtigen Antworten. Auch die praktische Lehrprobe meisterte Rolf mit Bravour. Seine Lehrprobe war inhaltlich bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und mit seiner ruhigen und strukturierten Art leitete er seine Prüfungsgruppe sehr gut an. Die richtige Übungsausführung kann Rolf sicherstellen in dem er sehr nah an die Teilnehmer herantritt oder sie zu Korrekturzwecken anfassen darf. Dies wird er auch mit seinen Reha-Sportteilnehmern im Verein vorab so besprechen. Während der gesamten Ausbildung hat sich Rolf als sehr diszipliniert und außergewöhnlich gut organisiert gezeigt. Sein fehlendes Augenlicht kompensiert er durch extremen Fleiß, gute Planung und den bedingungslosen Willen alles erreichen und schaffen zu können.

Auf unsere Frage, was er anderen Menschen mit Behinderung auf den Weg geben möchte sagt uns Rolf: „Nutze Deine Chancen und Talente und mach was draus!“.

Für uns ist Rolf Abel ein großes Vorbild und ein Vorreiter, der bewiesen hat, dass Menschen mit Behinderung Ihren Platz im Sport einnehmen können. Gerne möchten wir mehr Menschen mit Behinderung einen Platz im organisierten Sport bieten und unterstützen diese dabei eine Übungsleiterausbildung zu absolvieren!!

(Quelle: Badischer Behinderten- und Rehabilitationssportverband e.V.)


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