„Skulptur 9841“ erinnert an ermordeten Boxer Trollmann

Vom 9. Juni bis zum 16. Juli wird im Viktoria-Park in Berlin ein temporäres Denkmal an den sinto-deutschen Boxer Johann Trollmann erinnern, der 1944 im Konzentrationslager Wittenberge ermordet wurde.

Die „Skulptur 9841“ wird am 9. Juni 2010 im Berliner Viktoriapark offiziell eingeweiht. Foto: BEWEGUNG NURR
Die „Skulptur 9841“ wird am 9. Juni 2010 im Berliner Viktoriapark offiziell eingeweiht. Foto: BEWEGUNG NURR

Das Denkmal im Stadtbezirk Kreuzberg, das einen absinkenden Boxring in originaler Größe darstellt, erinnert an einen außergewöhnlichen deutschen Sportler, der als „Zigeuner“ diffamiert und Opfer des Genozid an Sinti und Roma in Europa wurde. Eingeweiht wird das temporäre Ehrenmal am 9. Juni und genau 77 Jahre nach jenem Tag, als Johann „Rukeli“ Trollmann in der Bockbierbrauerei Berlin Kreuzberg Deutscher Meister im Halbschwergewicht wurde. 

Wenige Tage später hatte der von Nazis durchsetzte Boxverband ihm den Titel wieder aberkannt. Daraufhin unterzog sich Trollmann am 21. Juli 1933 vor seinem Kampf gegen Gustav Eder einer Verwandlung, in der sich Widerstand und Protest deutlich ausdrückte. Er puderte seinen Körper weiß, färbte die Haare blond und ließ sich von seinem Gegner absichtlich k.o. schlagen. Trollmann wurde 1942 ins KZ Neuengamme deportiert, der Titel des Denkmals mit der Nummer 9841 ist seiner Häftlingsnummer entlehnt. 1944 wurde Trollmann nach Wittenberge verlegt und ermordet.

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm wird das Denkmal im öffentlichen Raum begleiten. Lesungen, Filmvorführungen, historische Spaziergänge und eine Gesprächsreihe thematisieren die Geschichte der Roma und Sinti sowie den aktuellen Diskurs um Ausgrenzung, Rassismus und Intoleranz. Die Künstlerin Mona Jas hat in Zusammenarbeit mit der gelben Villa mehrwöchige Workshops für Schüler erarbeitet. 

Eingeweiht wird die „Skulptur 9841“ des Künstlerkollektivs BEWEGUNG NURR & Florian Göpfert am 9. Juni mit einem Konzert von Dotschy Reinhardt. Gefördert wird das Projekt mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds Berlin, der Berliner Kulturprojekte GmbH und des Bezirkskulturfonds Friedrichshain-Kreuzberg. Es entstand in Kooperation mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V., der workstation- Ideenwerkstatt Berlin e.V. und der gelben Villa Berlin e.V. und mit Unterstützung des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, der Familie Trollmann und des Sportclubs Lurich e.V..


  • Die „Skulptur 9841“ wird am 9. Juni 2010 im Berliner Viktoriapark offiziell eingeweiht. Foto: BEWEGUNG NURR
    Die „Skulptur 9841“ wird am 9. Juni 2010 im Berliner Viktoriapark offiziell eingeweiht. Foto: BEWEGUNG NURR
  • Johann Trollmann wurde 1944 von den Nazis ermordet. Foto: Manuel Trollmann
    Johann Trollmann wurde 1944 von den Nazis ermordet. Foto: Manuel Trollmann

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