„TrainerInDeutschland“

Trainerinnen und Trainer sind die Schlüsselpersonen im Sport, dennoch fehlt ihnen oft die gesellschaftliche Anerkennung. Das muss sich ändern, findet Autorin Wiebke Fabinski.

Die Arbeitssituation ist für Trainer und Trainierinnen im Spitzensport oft belastend. Foto: LSB NRW
Die Arbeitssituation ist für Trainer und Trainierinnen im Spitzensport oft belastend. Foto: LSB NRW

Nächste Woche findet die Bundestrainer-Konferenz in Mainz statt. Mehr als 100 Bundestrainerinnen und -trainer treffen sich, um sich über ihre Arbeit auszutauschen. Dabei ist es kein Geheimnis, dass es im Trainerberuf große Herausforderungen gibt: Die Arbeitsbedingungen von Trainerinnen und Trainern im Spitzensport sind belastend – lange Arbeitszeiten, viel Reisetätigkeit, großer Erfolgsdruck bei gleichzeitig wenig Anerkennung.

Und das gilt nicht nur für unsere Bundestrainer. Trainerinnen und Trainer sind die Schlüsselpersonen im Sport, das gilt für die Spitzentrainerin gleichermaßen wie für den Vereinstrainer vor Ort. Sie setzen die Kernaufgaben des Sportvereins um, Sporttreibende auszubilden und qualitativ hochwertige Angebote für die Zielgruppen anzubieten. Sie fördern die persönliche und sportliche Entwicklung der Athletinnen und Athleten, und sie begeistern Menschen für den Sport und damit für eine möglichst lebenslange Sportbiografie. Sie sollen gesellschaftliche Erwartungen an die Sportvereine erfüllen und Integration und Inklusion sowie die Kooperation mit kommunalen Bildungsakteuren wie z.B. Schulen und Kindergärten umsetzen.

Gleichzeitig fehlt den Trainerinnen und Trainern die Anerkennung, beispielsweise bildungspolitisch im Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen. Bei Kooperationen von Sportvereinen mit Schulen werden die Trainer meistens als „Freizeitbespaßer“ wahrgenommen und dementsprechend schlechter bezahlt als Mitarbeiter von Musik- oder Kunstschulen, deren Stunden als Bildungsangebote anerkannt werden.

Aber es gilt auch, vor der eigenen Haustür zu kehren: Die Würdigung und Anerkennung der Leistungen der Trainerinnen und Trainer ist in einigen Sportorganisationen leider immer noch keine Selbstverständlichkeit. Im Winter stehen in den Vereinen und Verbänden wieder viele Ehrungen an – Trainerinnen und Trainer spielen dabei häufig leider nur die Statistenrolle und dürfen gegebenenfalls die Blumen überreichen.

Was können die Sportorganisationen also tun, um die Bedingungen für Trainerinnen und Trainer zu verbessern? Im Oktober 2016 haben die Sportverbände auf der DOSB-Konferenz „Schlüsselfunktion Trainerin und Trainer“ eine „Vision Trainer/in“ formuliert. Akteure aus den Organisationsbereichen Jugendsport, Bildung, Sportentwicklung und Leistungssport haben gemeinsam Strategien und Ansätze diskutiert, um die Situation in dem Themenfeld zu verbessern. Die Vision besagt, dass es bis 2026 mehr qualifizierte Trainerinnen und Trainer geben soll, und beschreibt in 13 Leitzielen die wichtigsten Ansatzpunkte. 

Einen Teil dieser 13 Leitziele können wir nur mittelbar beeinflussen, indem wir mit der Politik und der Wissenschaft ins Gespräch kommen und sie für das Thema gewinnen. Andere Leitziele können unmittelbar von uns umgesetzt werden, da es um Veränderungen im Sportsystem selbst geht. Die Idee dabei ist insbesondere, die Potenziale der einzelnen Organisationsbereiche – Jugendorganisationen, Bildung, Sportentwicklung und Leistungssport und ihre unterschiedlichen Akteure und Partner – zusammenzubringen und Synergien zu entdecken, anstatt in getrennten Strukturen zu verharren.

Damit dies gelingen kann, ist es unabdingbar, dass die Förderung von Trainerinnen und Trainern in den Führungsebenen der Sportorganisationen gewollt ist und zur Kernaufgabe gemacht wird, was auch bedeutet, notwendige finanzielle und personelle Ressourcen bereit zu stellen.

Doch eines ist klar: Ein solcher struktureller Veränderungsprozess benötigt Zeit und Geduld, denn er bedeutet, miteinander ins Gespräch kommen, die Sichtweisen und Haltungen der anderen kennenzulernen, voneinander zu lernen und gemeinsame Strategien auszuhandeln und zu entwickeln. Das ist mühsam und macht leider auch keine schönen Hochglanzfotos – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DOSB-Konferenz 2016 waren sich einig, dass es uns das trotzdem wert sein sollte!

(Autorin: Wiebke Fabinski ist stellvertretende Leiterin des Ressorts Bildung im DOSB)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Die Arbeitssituation ist für Trainer und Trainierinnen im Spitzensport oft belastend. Foto: LSB NRW
    Die Arbeitssituation ist für Trainer und Trainierinnen im Spitzensport oft belastend. Foto: LSB NRW

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