Trimm-dich-Tag im Hessenpark

Am vergangenen Sonntag (24.6.) öffnete der Hessenpark in Neu-Anspach seine Pforten besonders für Sportinteressierte. Das Museum hatte zum Trimm-dich-Tag eingeladen.

Auch Maskottchen Trimmy lässt sich nicht lange bitten, wenn es um die Demonstration der Trimm-Statonen geht.
Auch Maskottchen Trimmy lässt sich nicht lange bitten, wenn es um die Demonstration der Trimm-Statonen geht.

Im Hes­sen­park, dem Frei­licht­mu­se­um des Lan­des Hes­sen, können Besucherinnen und Besucher auf  65 Hektar Fläche über 100 his­to­ri­sche Ge­bäu­de aus al­len Tei­len des Lan­des bestaunen und alte Handwerksberufe hautnah erleben. Seit Juli 2017 beherbergt das Museum auch den Nachbau eines historischen Trimm-dich-Pfades, angelehnt an das 1973 erschienene Konzept des „Trimm Parks“ des Deutschen Sportbundes (DSB).

Am vergangenen Sonntag (24. Juni) lud die Leitung des Hessenparks zum Trimm-Dich-Tag auf das Gelände ein. Die elf im Museum nachgebauten Gerätestationen, angepasst an moderne Nutzungsvorgaben, konnten am Trimm-dich-Tag ausprobiert werden.  Am Morgen  gab es eine offizielle Begrüßung durch den Museumsdirektor Jens Scheller und die kooperierenden Partner  von der Taunus Sparkasse, dem Förderkreis Freilichtmuseum Hessenpark und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Eine zunächst eher kleine Gruppe von rund 50 Interessierten formierte sich um das neue Ausstellungsmodul, das den Fitness-Fans die Geschichte der  »Trimm-dich-Bewegung« erzählt.

"Die Trimm-Bewegung spiegelt unsere Sozialgeschichte"

Man sei im Museum für die Pflege der Alltagskultur zuständig, erläuterte Jens Scheller, um auch skeptischen Fragen vorzubeugen, warum eine noch nicht ganz fünfzigjährige Kampagne in ein Freilichtmuseum gehören sollte, das 400 Jahre alte denkmalgeschütze Objekte beherbergt. „Die Trimm-Bewegung spiegelt ein Stück weit unsere Sozialgeschichte“ sagt er.  „In Hessen hat es über 160 dieser Trimm-Dich-Pfade gegeben. Wie es sich für ein Museum gehört, beleuchten wir auch an den einzelnen Stationen, warum diese Fitnesswelle losgetreten wurde.“  Betrachte man sich die Biographie der Gäste im Hessenpark, würden sich viele Ältere an die Trimm-Bewegung erinnern. „Sie alle haben irgendwelche Trimm-Pfade im Kopf, die sie persönlich in ihrer Kindheit, in ihrer Jugend wahrgenommen haben. Insofern passt das für uns als Freilichtmuseum umso mehr.“  Künftig soll das „attraktive Angebot“ des Trimm-Pfades auch buchbar sein. Dazu hat der Hessenpark engagierte und geschichtsinteressierte freiberufliche Übungsleiter gesucht und gefunden, die gelegentlich Besuchergruppen an den Trimm-Stationen und auf der Laufstrecke sportlich anleiten. Voraussetzung ist eine Trainerlizenz mit der Basisausbildung C für Übungsleiter.

Markus Franz, Vorstandsmitglied der Taunus Sparkasse, outete sich als „Kind der Trimm-Bewegung“, dem vor allem der sonntägliche „Trimm Trab ins Grüne“ durch den heimatlichen Spessart im Gedächtnis geblieben ist. Bis heute ist er der Leichtathletik treu geblieben und erinnerte sich: „In Deutschland war ja 1972 eine richtige Aufbruchsstimmung, auch wegen der Olympischen Spiele in München, spürbar“. Heute, so meinte Franz, bräuchte es wieder einen solchen Aufbruch, denn die Gesellschaft „leidet wieder unter Bewegungsmangel und falscher Ernährung“. Für Bewegung sei es nie zu spät.

Klaus Hofmann, der Stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Förderkreises Hessenpark, war im Trainingsanzug erschienen und demonstrierte beim späteren Rundgang durch den Trimm-Park seine Fitness trotz fortgeschrittenen Alters. Er freut sich darüber, dass über 7.500 Personen, die dem Förderkreis angehören, helfen, den Hessenpark weiterentwickeln zu können. „Es ist wichtig, neue Zielgruppen zu erreichen, um das Freilichtmuseum attraktiv zu halten und zu gestalten und auch die Nachfrage zu steigern.“

"Trimm dich durch Sport" wurde in den 70er Jahren populär 

Einen Blick zurück auf die Anfänge der Trimm-Bewegung warf Andres Klages, Ressortleiter Breitensport und Sporträume im DOSB. Bis in die 60er Jahre habe sich die Sportaktivität der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland vor allem auf den wettkampforientierten Sport, überwiegend für Männer, konzentriert. Es war daher Aufgabe des Deutschen Sportbundes, auf eine Öffnung des Sportsystems sowie eine Erweiterung der Sportangebote hinzuwirken. Ein „zweiter Weg“ wurde entwickelt, um die gesellschafts- und gesundheitspolitischen Potenziale des Sports zu aktivieren und „Sport für alle“ in Deutschland zu verankern.

Vor diesem Hintergrund wurde vom Deutschen Sportbund eine Social Marketing Kampagne unter dem Titel „Trimm Dich durch Sport“ entwickelt, um durch eine gezielte Kampagne lebensbegleitendes Sporttreiben für große Bevölkerungsgruppen populär zu machen und eine wachsende Zahl von  Menschen für Sport zu motivieren. Der Start der Trimm Dich Kampagne war der 16. März 1970. Es gab fünf aufeinanderfolgende Kampagnenzyklen von drei bis sieben Jahren:

1970-1974: Trimm Dich durch Sport
1975-1978: Ein Schlauer trimmt die Ausdauer
1979-1982: Spiel mit – da spielt sich was ab
1983-1986: Trimming 130 – Bewegung ist die beste Medizin
1987-1994: Gemeinsam aktiv – im Verein ist Sport am schönsten

Es sollten weniger rationale oder belehrende Ansätze sein, sondern in  „sympathischer Tonalität“ den Sport augenzwinkernd mit Spaß, Lebensfreude und Vergnügen assoziieren. Vor diesem Hintergrund ist auch die Leitfigur Trimmy entstanden.  „Trimmy ist weder Supermann noch Held. Er ist fröhlich, optimistisch, ganz und gar durchschnittlich und steht dafür, dass Sport für alle da ist“, sagt Andreas Klages. Noch heute, über 20 Jahre nach dem Ende der Trimm-Kampagnen, verbänden viele Menschen den „Trimmpfad“ mit dieser Kampagne.

Hessenpark stemmt "Herkulesaufgabe"

Im Jahr 1973 legte der DSB eine Konzeption für eine „Freizeitsportanlage zur Aktion TRIMM DICH DURCH SPORT“ unter dem Titel „Trimm Park“ vor. Die Elemente beinhalteten eine Laufbahn, einen Platz mit Übungsstationen, einen Spielplatz für die Familie und eine Hütte zum Unterstellen und Umkleiden. Die 52-seitige „Baumustermappe“ wurde kostenlos abgegeben. Sie enthielt Bauanleitungen, Kostenschätzungen etc. und bildete die konzeptionelle Grundlage und den Ausgangspunkt für die Errichtung von Trimmparks – weithin Trimmpfade genannt – im Deutschland der 1970er und 1980er Jahre.

Andreas Klages bedankte sich besonders bei Ulrike von Bothmer, Kuratorin im Hessenpark, und ihr Team für „die Mühe, die Sie sich gemacht haben, diese alte Baumustermappe auszugraben und sozusagen upzudaten. Was wir also hier sehen, ist ein Trimm-dich-Pfad reloaded!“

In seiner Bilanz sagte Klages, die Trimm-Bewegung sei die längste und erfolgreichste bundesweite Kampagne zur Bewegungs- und Sportförderung. „Und es war eine Bewusstseins- und Aktivierungskampagne.“ In Hinblick auf die Trimm-dich-Pfade sei besonders erwähnenswert, dass sie „einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben, den Sport im öffentlichen Raum zu verankern, sichtbar und erlebbar zu machen“. Klages ist sich sicher: „Den Trimm-Pfaden steht die Zukunft eigentlich noch bevor. Es gibt auf der einen Seite eine Fülle von Trimm-dich-Pfaden, die derzeit mit Bord- und Hausmitteln saniert werden, auf der anderen Seite steht die Orientierung am alten Vorbild, eine neue Konstruktion auf alten Grundlagen.“ Klages ist dem Hessenpark dankbar, dass er sich der „Herkulesaufgabe“ angenommen hat. „Die Trimm-Dich-Pfade werden auch zukünftig, wenn auch in veränderter Form…, als Fitness-Parcours für breite Bevölkerungskreise Sport und Bewegung anbieten.“

Bevor er die Gruppe der Zuhörenden zum aktiven Sporttreiben in den Trimm-Park entlassen hat, gab Andreas Klages ihnen noch ein Zitat von Joachim Ringelnatz mit auf den Weg: „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit und er schützt uns durch Vereine vor der Einsamkeit.“

(Quelle: DOSB / Markus Böcker)


  • Auch Maskottchen Trimmy lässt sich nicht lange bitten, wenn es um die Demonstration der Trimm-Statonen geht.
    Auch Maskottchen Trimmy lässt sich nicht lange bitten, wenn es um die Demonstration der Trimm-Statonen geht.
  • Andreas Klages gibt den Besuchern einen historischen Einblick in die Trimm-Bewegung.
    Andreas Klages gibt den Besuchern einen historischen Einblick in die Trimm-Bewegung.
  • Hangeln ist eine Übung zur Stärkung von Rumpf und Armen.
    Hangeln ist eine Übung zur Stärkung von Rumpf und Armen.
  • Wer springt am höchsten?
    Wer springt am höchsten?
  • Ulrike von Bothmer, Kuratorin des Hessenparks, erläutert den Gästen die Schautafeln zur Trimm-Bewegung und verät, welche Schätze ihr Team bei der Recherche gefunden hat. Fotos: DOSB / Markus Böcker
    Ulrike von Bothmer, Kuratorin des Hessenparks, erläutert den Gästen die Schautafeln zur Trimm-Bewegung und verät, welche Schätze ihr Team bei der Recherche gefunden hat. Fotos: DOSB / Markus Böcker

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