Wandern ist ein anspruchsvoller Sport

 

Die Menschen wollen der Kunstwelt des Alltags entfliehen

 

Das Wandern wird wieder neu entdeckt - das Durchschnittsalter von aktiven Wanderern ist

mittlerweile auf etwa 45 Jahre gesunken. "Die Wanderer werden immer jünger", sagte Dr. Rainer Brämer, Natursoziologe an der Universität Marburg, bei einer Pressekonferenz des Deutschen Sportbundes in Frankfurt. Der Leiter der Forschungsgruppe Wandern am Institut für Sport- und Erziehungswissenschaft der Uni Marburg lieferte die Gründe für das neue Wandergefühl sogleich mit: "Man will raus aus den immer hektischeren Kunstwelten des Alltags, Natur hat einen hohen Entspannungseffekt für Körper und Psyche, die Kommunikation und das gemeinsame Erlebnis beim Wandern sind locker und anstrengungslos - der Wohlfühlfaktor ist ein sehr positives Element bei den Wanderern."

Entgegen früheren Ansichten sei Wandern als durchaus anspruchsvoller Sport einzustufen. "Sport ist, was fit macht und gesund hält", erklärt Brämer. Beim Wandern werde ein enormer Energieverbrauch geleistet, der in freier Mittelgebirgsnatur sogar höher liegt als beim Laufen auf der Bahn oder im Park. "Genau dieser körperliche Energieverbrauch ist nach modernen medizinstatistischen Erhebungen das Hauptkriterium für Fitness und Gesundheit", sagt der Marburger Wissenschaftler. Erhebungen bei Studentinnen und Studenten an elf Universitäten in fünf Bundesländern - rund 1.300 auswertbare Fragebogen - haben ergeben, dass Radfahren und Schwimmen mit etwa 80 Prozent Zustimmung die beliebtesten Natursportarten sind. Wandern, Joggen und Skilaufen folgen mit jeweils 55 Prozent. Bei den Studenten nimmt von 20 bis 30 Jahren die Attraktivität des Wanderns von 45 auf 75 Prozent zu, während andere Sportarten eher verlieren.

Rund zehn Millionen aktive Wanderer, so schätzt Dr. Brämer, seien etwa alle 14 Tage zwischen zehn und 15 Kilometer zu Fuß unterwegs, und zwar um vier Stunden lang. "Gelegenheitswanderer", die sechs bis achtmal im Jahr wenigstens halbtags die Natur begehen, beziffert er mit annähernd 20 Millionen. Walking, flottes Wandern mit relativ hohem Tempo, habe sich bei uns weniger bewährt. Brämer geht mit seiner Forschungsgruppe von etwa zwei Millionen organisierten Wanderern aus
- in den Gebirgs- und Wandervereinen und vor allem auch in Turnvereinen, die häufig eine Wanderabteilung unterhalten.

"Wir freuen uns darüber, dass Wandern keineswegs als antiquiert eingestuft wird, sondern dass viele jungen Menschen längst das Wandern in der Natur entdeckt haben", sagte Wolfgang Baumann, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Breitensport des Deutschen Sportbundes. Er sieht darin zugleich eine erhebliche Herausforderung für den organisier-ten Sport: "Wir müssen uns mit dem erfreulichen Thema weiter auseinandersetzen, die neuen Erkenntnisse in den Angeboten berücksichtigen und den entsprechenden Erwartungen Rechnung tragen." Dem DSB gehe es in erster Linie darum, dass sich möglichst viele Menschen unter dem Motto "Sport für alle" bewegen. "Wandern wird dabei weiterhin eine wichtige Rolle spielen", sagte Baumann.

Mit dem DSB engagiert sich die "Aktion Saubere Landschaft" (ASL) gegen achtloses Wegwerfen von Müll. "Das Konzept setzt dort an, wo der Schutz der Umwelt häufig vernachlässigt wird: in der Freizeit, beim Sport", sagte ASL-Repräsentant Dr. Kay Schloe. Die Wanderer selbst könnten zu schönen Aussichten beitragen. Die in die (buchstäbliche) Breite gehende Wanderbewegung und hier speziell der einmal jährlich am dritten Oktober-Wochenende stattfindende Volkswandertag wird seit 15 Jahren vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken unterstützt.
Michael Burau


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