Zur Zukunft des Schulsports

In Bremen gibt es keinen Lehramtsstudiengang Sport mehr. Es ist an der Zeit sich an das Memorandum zum Schulsport von 2009 zu erinnern, findet Autor Prof. Detlef Kuhlmann.

Steht die Sportlehrerausbildung an Schulen auf der Kippe? Foto: picture-alliance
Steht die Sportlehrerausbildung an Schulen auf der Kippe? Foto: picture-alliance

Dem Geschichtsunterricht an den Schulen in Deutschland geht es schlecht. Er wird teilweise nicht mehr als eigenständiges Fach, sondern nur noch im Verbund mit Geografie und Sozialwissenschaften als Sozialkunde gelehrt. Das bedeutet: Sozialkunde wird nicht mehr ausschließlich von entsprechend ausgebildeten Geschichtslehrkräften unterrichtet. Gott sei Dank ist der Sportunterricht davon (soweit bekannt) derzeit nicht betroffen. Aber man stelle sich einmal vor: Das Fach Sport würde etwa mit Kunst und Musik zusammengelegt.

Zu Schuljahresbeginn machen auch noch ganz andere Meldungen die Runde, von denen das Fach Sport mal direkt und mal indirekt betroffen ist. Da ist von ausreichender bzw. unzureichender Unterrichtsversorgung die Rede. Da werden verstärkt Lehrkräfte wegen (plötzlich) steigender Schülerzahlen gesucht. Und da wird Quereinsteigern die Möglichkeit geboten, mit speziell nachzuweisenden fachlichen Kenntnissen rasch als Lehrkräfte an Schulen tätig zu werden, ohne zuvor einen kompletten Lehramtsstudiengang bzw. das vorgeschaltete Referendariat absolviert zu haben.

Apropos Lehramtsstudiengang: Ein solcher ist neulich im Bundesland Bremen für das Fach Sport dicht gemacht worden. Bremen ist damit das erste Bundesland, das sich von der hochschulischen Sportlehrerausbildung verabschiedet. Jetzt ist die (berechtigte?) Sorge groß, dass andernorts ähnlich verfahren wird. Deswegen hat der Deutsche Sportlehrerverband mit seinen knapp 10.000 Mitgliedern und mit dessen Präsidenten Michael Fahlenbock (Wuppertal) an der Spitze flugs in einem offenen Brief an die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz protestiert, um den „Schließungsprozess zunächst zu stoppen und ein nachhaltiges Konzept bezüglich der Zukunft der Sportlehrerbildung im Bundesland Bremen zu initiieren“.

Daraus lässt sich forsch folgern. Nur wenn die Sportlehrerausbildung in Bremen eine Zukunft hat, hat der Schulsport in Bremen eine Zukunft. Diese Zukunft sollte uns nicht egal sein. Um die Zukunft des Schulsports geht es beispielsweise auch im sogenannten Memorandum zum Schulsport, an dessen aktueller Fassung aus dem Jahre 2009 neben dem Deutschen Sportlehrerverband, die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft, der Fakultätentag Sportwissenschaft zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund mitgewirkt haben. Das Memorandum hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, „richtungweisende Impulse zur Optimierung des Schulsports auf allen Schulstufen“ zu geben, und endet mit einem „Aufruf zum Handeln“. Darin verpflichten sich die beteiligten Institutionen, den „Umsetzungsprozess aktiv voranzubringen und zu begleiten“.

Bremen könnte ein Anlass sein, sich dieses Auftrags neu zu vergewissern. Der Zukunft des Schulsports könnte dadurch sicherer gemacht werden. Vielleicht auch in Bremen.

(Autor: Prof. Detlef Kuhlman)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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