DOSB-Wissenschaftspreises: Ein langer Weg

Seit 60 Jahren verleiht der DOSB den Wissenschaftspreis. Prof. Dietrich Kurz hat die Geschichte des Preises und die damit verbundene Entstehung der Sportwissenschaft zusammengefasst.

Seit 60 Jahren wird der DOSB-Wissenschaftspreis verliehen. Foto: Nils Eden
Seit 60 Jahren wird der DOSB-Wissenschaftspreis verliehen. Foto: Nils Eden

Alle zwei Jahre wird der Wissenschaftspreis seit 60 Jahren verliehen; zunächst vom Deutschen Sportbund später dann vom Deutschen Olympischen Sportbund. Der erste Preisträger war Herbert Reindell. 1953 erhielt er die erste Carl-Diem-Plakette „für hervorragende Leistungen auf sportwissenschaftlichem Gebiete“ – so der Text der Stiftungsurkunde. Das war damals eine kühne Projektion in die Zukunft.

Denn eine Sportwissenschaft gab es damals noch nicht wirklich. Reindell, der den ersten Preis erhielt, verstand sich als Mediziner, er forschte und lehrte als Röntgenologe an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg. In den 1930er Jahren hatte er eine Legende erlegt, die Legende vom Sportherzen. Das ausdauertrainierte sogenannte Sportherz, so hatte er nachgewiesen, ist nicht krank, sondern im Gegenteil eine in weiten Grenzen erwünschte, weil gesundheitlich bedeutsame Anpassungsform. Riskant ist vielmehr das untrainierte Herz, das „Büroherz“.

In den 1950er Jahren hat er sich dann – gemeinsam mit dem Trainer Gerschler – auch um die wissenschaftliche Fundierung des Intervalltrainings bemüht. Aber das war damals für ihn eher ein Hobby und auch für seine Kollegen in der Medizinischen Fakultät nicht eben der Rede wert. Reindell verstand sich, wie gesagt, als Mediziner. Dass er dennoch diesen Preis angeboten bekam und annahm, war ein wichtiger Schritt in eine Richtung, die in der Bundesrepublik erst in den 1970er Jahren dazu führte, dass sich an wissenschaftlichen Hochschulen Sportwissenschaft als Fach etablierte, als Fach mit Promotions- und Habilitationsrecht wie alle anderen Fächer auch.

Das war ein langer Weg, der Wettbewerb um die Carl-Diem-Plakette hat ihn nicht nur begleitet, sondern mehr oder weniger auch vorgezeichnet. Die Schriftenreihe mit den Preisarbeiten war lange Zeit die anerkannteste Publikationsreihe in der Sportwissenschaft der Bundesrepublik. In diese Schriftenreihe Arbeiten renommierter Vertreter anerkannter Wissenschaften aufzunehmen war ein Beitrag zur Definition der entstehenden Sportwissenschaft. Mit dem Wettbewerb hat der Deutsche Sportbund daher wesentlich dazu beigetragen, dass und wie eine Sportwissenschaft entstand, sich etablierte und ausdifferenzierte. Und wenn das im Großen und Ganzen bis heute als Erfolgsgeschichte gelesen werden kann, dann fällt etwas vom Glanz dieses Erfolges auch auf die Organisation, die den Wettbewerb ausrichtet, und auf ihre Repräsentanten – von Willi Daume und Carl Diem bis zu Thomas Bach.

Eine Ahnung von dieser Geschichte vermittelt die Liste der Preisträger. Aufgeführt ist dort jeweils nur, wer den Ersten Preis erhielt. Sehr bald in der Geschichte des Wettbewerbs hat es Preise in mehreren Kategorien gegeben, und wenn man alle Preisträger und Preisträgerinnen mit den Titeln ihrer Arbeiten zusammenstellen würde, läse sich das wie ein Who Is Who zur Geschichte der Sportwissenschaft.

(Quelle: DOSB-Presse, Ausgabe 6-7)


  • Seit 60 Jahren wird der DOSB-Wissenschaftspreis verliehen. Foto: Nils Eden
    Seit 60 Jahren wird der DOSB-Wissenschaftspreis verliehen. Foto: Nils Eden