Wiedersehen zweier Speerwerfer-Legenden

Auf Einladung des LSV Schleswig-Holstein trafen sich beim Werfertag des TSV Malente die Olympiasieger Janis Lusis (Lettland) und Klaus Wolfermann (Nürnberg) zu einem Wiedersehen.

Das Wurfgerät, das sie zu Sportlegenden machte, nehmen sie nur noch selten zur Hand. Doch beim Werferabend des TSV Malente taten sie es noch einmal für ein improvisiertes kurzes Ziel-Werfen am Rande des offiziellen Wettkampfes: Janis Lusis (li.) und Klaus Wolfermann. Foto: Heiko Wischer
Das Wurfgerät, das sie zu Sportlegenden machte, nehmen sie nur noch selten zur Hand. Doch beim Werferabend des TSV Malente taten sie es noch einmal für ein improvisiertes kurzes Ziel-Werfen am Rande des offiziellen Wettkampfes: Janis Lusis (li.) und Klaus Wolfermann. Foto: Heiko Wischer

„Speerwerfen ist etwas für junge Leute“, scherzte Lusis ( er wird am 19. Mai 71). Noch als 68-jähriger hatte er bei Seniorenwettkämpfen über 50 Meter erzielt. Klaus Wolfermann, der heute Inhaber einer Sportvermarktungsagentur ist, sagt, er halte es heute eher mit kleineren „Flugkurven“ – beim Golf.

Die Freundschaft entstand nach dem olympischen Speerwurf-Endkampf von 1972. „Es war ein dramatischer Wettkampf. Man hatte mir schon den Lenin-Orden für meinen zweiten Olympiasieg versprochen und ich dachte auch, ich würde gewinnen“, erinnert sich der Lette Janis Lusis an seine Favoritenstellung in München. Bei den Sommerspielen 1968 in Mexiko hatte er für die UdSSR bereits Gold geholt. Klaus Wolfermann, heute 64, nickt: „Janis war immer ein Vorbild für mich. Ein Leitfaden. Er war der Favorit. Mein Ziel war lediglich eine Medaille. Silber wäre schon ein Erfolg gewesen.“

„Draufhauen, das Ding muss fliegen“: Das waren Wolfermanns Gedanken, als er im fünften Versuch mit einem längeren Anlauf alles hinein legte und mit 90,48 Meter tatsächlich seinen Gold-Wurf landete. „Janis Lusis saß auf einer Bank und aß einen Apfel. Der fiel ihm vor Schreck aus dem Mund.“ Der Konter sollte dem Letten um Haaresbreite misslingen: Im letzten Versuch „holte er alles aus sich heraus, warf aber nicht ganz fehlerfrei. Hätte er den technisch durchgestanden, wäre es Weltrekord gewesen“, schildert Wolfermann den spannenden Moment der Entscheidung: 90,46 Meter, zwei Zentimeter fehlten schließlich.

„Entschuldigung, dass ich gewonnen habe“, habe er damals zu Lusis gesagt. Die Reaktion seines Kontrahenten empfindet Wolfermann noch heute als großartig: „Janis gratulierte mir und sagte mir, er habe ja bereits vier Jahre zuvor eine Goldmedaille gewonnen.“

Die Werfer hätten schon damals eine tolle Gemeinschaft gebildet und sich auch abseits des Wettkampfes prächtig verstanden. Klaus Wolfermann kann auf eine äußerst erfolgreiche Werfer-Karriere zurückblicken: Zwischen 1969 und ´74 war er sechs Mal deutscher Meister, zwei Mal wurde er zum Sportler des Jahres, später noch dazu zum deutschen Speerwerfer des Jahrhunderts gewählt. Drei Jahre Bestand hatte sein Speerwurf-Weltrekord (aufgestellt 1973 mit 94,08 Meter).

Wolfermann und Lusis blieben seit 1972 auch privat in Verbindung. Trotz Eisernen Vorhangs „´73 konnten Janis und seine Frau einige Tage auf Besuch zu uns nach Bayern kommen“, berichtet Wolfermann. Seit Ende der Ost-West-Konfrontation ist die Kontaktaufnahme leichter geworden. Beide Sportler treffen sich regelmäßig, Jahr für Jahr – auch schon mal spontan: „Bei meinem 60. Geburtstag vor vier Jahren hatten Freunde einen Überraschungsgast angekündigt. Plötzlich saß dort jemand, in Decken eingehüllt. Als ich die Decke wegzog, sah ich: Es war Janis“, lacht Wolfermann.

Janis Lusis blieb noch bis 1977 aktiv, wurde 1976 in Montreal bei seinen dritten olympischen Spielen Achter. Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete er als Speerwurf-Trainer. Auch sein Sohn Voldemars, der heute Geschäftsführer des lettischen Leichtathletikverbandes ist und dem LSV bei der Organisation des Besuches seines Vaters in Malente geholfen hatte, war in seiner Karriere zwei Mal als Speerwerfer bei Olympia dabei.

Lusis und Wolfermann gefiel die Stippvisite in Malente. Sie hatten Zeit, sich auszutauschen – und verlebten bei einem weiteren guten Bekannten aus alten Athletentagen einen unvergesslichen Abend: Ex-Zehnkampfweltrekordler Kurt Bendlin betreibt in der Nähe immer noch ein Survival-Camp. Bei Bendlin gab es zudem ein Wiedersehen mit Michael Wessig, Speerwurf-Europameister von 1978. „Der kocht hervorragend. Es gab Wild. Ich werde ihn zum Prominentenkochen anmelden“, flachste Wolfermann, der nach wie vor Kontakt zur deutschen Werfer-Elite pflegt und in den letzten Jahren zum Beispiel Christina Obergföll beraten hat. (Ein Bericht von Heiko Wischer)


  • Das Wurfgerät, das sie zu Sportlegenden machte, nehmen sie nur noch selten zur Hand. Doch beim Werferabend des TSV Malente taten sie es noch einmal für ein improvisiertes kurzes Ziel-Werfen am Rande des offiziellen Wettkampfes: Janis Lusis (li.) und Klaus Wolfermann. Foto: Heiko Wischer
    Das Wurfgerät, das sie zu Sportlegenden machte, nehmen sie nur noch selten zur Hand. Doch beim Werferabend des TSV Malente taten sie es noch einmal für ein improvisiertes kurzes Ziel-Werfen am Rande des offiziellen Wettkampfes: Janis Lusis (li.) und Klaus Wolfermann. Foto: Heiko Wischer