DOSB und ESport

Was ist der DOSB?

Der DOSB zählt mehr als 27 Millionen Mitgliedschaften in über 90.000 Sportvereinen. Er ist die größte Bürgerbewegung Deutschlands. Zum DOSB gehören 101 Mitgliedsorganisationen, darunter 16 Landessportbünde, 65 Spitzenverbände sowie 20 Verbände mit besonderen Aufgaben, wie beispielsweise Sportmediziner oder Sportwissenschaftler. Seine Vereine und Verbände sind gemeinwohlorientiert und engagieren sich ohne Gewinnerzielungsabsicht. Für sie arbeitet der DOSB als Dachverband, er vertritt die Interessen der Sportverbände und ihrer Vereine gegenüber Staat und Gesellschaft. 

Erkennt der DOSB Sportarten an?

Für die Anerkennung von Sportarten gibt es keine offizielle Instanz. Die Anerkennung von Sportarten ist ein gesellschaftlicher Prozess. Was im Allgemeinen unter Sport verstanden wird, ist weniger eine Frage wissenschaftlicher Analysen, sondern wird weit mehr von Alltagsgebrauch, Traditionen und sozialen, ökonomischen, politischen und rechtlichen Gegebenheiten bestimmt. Gleichzeitig verändert, erweitert und differenziert das faktische Geschehen des Sporttreibens selbst das Begriffsverständnis von Sport; Sport erfindet sich immer wieder neu und entwickelt sich weiter.

Unabhängig von Begriffsdefinitionen trägt die Mitgliedschaft im organisierten Sport dazu bei, gesellschaftliche Anerkennung als Sportart zu erlangen. In seiner Aufnahmeordnung macht der DOSB für die Mitgliedschaft formale und inhaltliche Vorgaben.

Wer kann Mitglied im DOSB werden?

Sportverbände, die die Voraussetzungen der Aufnahmeordnung des DOSB erfüllen. Sie ist Bestandteil der Satzung des DOSB.

Hier sind auch für eSport relevante inhaltliche Vorgaben enthalten. So muss eine Sportart „eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben, der sie betreibt“.

Weiterhin formuliert die Aufnahmeordnung, dass die Sportart „die Einhaltung ethischer Werte wie z.B. Fairplay, Chancengleichheit, Unverletzlichkeit der Person und Partnerschaft durch Regeln und/oder ein System von Wettkampf- und Klasseneinteilungen gewährleisten muss. Dies ist nicht gegeben insbesondere bei Konkurrenzhandlungen, die ausschließlich auf materiellen Gewinn abzielen oder die eine tatsächliche oder simulierte Körperverletzung bei Einhaltung der gesetzten Regeln beinhalten“.

Rein kommerzielle Veranstaltungen sind folglich nicht aufnahmefähig, der Sport muss sich von unten nach oben über Ligen und Wettkampfklassen aufbauen und allen gehören, nicht einem Unternehmen. Bei Kampfsportarten darf die Verletzung des Gegners nicht Inhalt und Ziel der Sportart sein.

Im Zusammenhang mit eSport wird die Einhaltung ethischer Werte häufig bei den so genannten Ego-Shooter-Spielen diskutiert. So zeigte sich IOC-Präsident Thomas Bach im Mai 2018 einer olympischen Perspektive von eSports gegenüber offen, erklärte jedoch gleichzeitig, er wolle jedoch nur Games zulassen, die in Einklang mit den Werten der olympischen Bewegung stehen. Bach kündigte an, dass sich IOC-Vertreter mit Repräsentanten der Games-Branche austauschen wollen.

In der Diskussion um die Frage, ob eSport eigene Bewegungsformen aufweist, erklärte die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker gegenüber der Deutschen Presse Agentur (dpa) im März 2018: „Es gibt Sportwissenschaftler, die genau das sagen, wenn man sich das Bewegungsausausmaß anschaut. Man kann schon sagen, dass eSport mit anderen Sportarten, die unter dem DOSB-Dach vereint sind, eine vergleichbare sportliche Aktivität mit sich bringt“.

Die Bandbreite der Positionen im organisierten Sport zum eSport spiegelt die Vielfalt innerhalb dieser gesellschaftlichen Gruppe wieder. Der LSB Nordrhein-Westfalen hat sich im Mai 2018 dagegen ausgesprochen, eSport als Sport einzuordnen: „Virtuelles Phänomen und Teil einer modernen Jugendkultur, aber eindeutig kein Sport: In der lebhaft geführten Diskussion zum Thema „eSport“ hat sich der Landessportbund Nordrhein-Westfalen e.V. eine klare Meinung gebildet und den elektronischen Wettkampfspielen für die teilweise lautstark geforderte Anerkennung als „echte Sportart“ - trotz unbestritten vorhandener Bewegungsabläufe - eine Absage erteilt

(…) Natürlich gehen wir davon aus, dass sich die überwiegend kommerziellen Formen von eSport langfristig weiter etablieren werden, denn am Ende entscheiden nicht Sportverbände, was vor allem junge Menschen für Sport halten.“ (Erklärung des LSB NRW)

Unter den Spitzenverbänden im DOSB wird die Diskussion um eSport vor allem im Deutschen Fußballbund geführt. DFB-Präsident Reinhard Grindel hat erklärt: „Wir wollen keine Spiele fördern, in denen Kinder auf andere schießen und das Ganze auch noch als Sport bezeichnet wird." Wenn dagegen fußballbezogene Spiele als Ergänzung zum Sport im Verein wirkten und über diesen Weg sogar der eine oder andere in den Verein kommen würde, fände dies Unterstützung (Pressemitteilung des DFB). Der Bayerische Fußball-Verband hat eSport mit Sportbezug als „e-soccer“ in seine Satzung aufgenommen, weitere Landesverbände werden folgen. Einige Verbände veranstalten bereits in Zusammenarbeit mit dem eSport-Veranstalter ESL e-soccer-Turniere.

Wie geht der DOSB beim Thema eSport weiter vor?

Die Mitglieder des DOSB haben auf ihrer Jahresversammlung im Dezember 2017 in Koblenz beschlossen, dass der DOSB eine Arbeitsgruppe zum Thema eSport einrichtet. Sie hat die Aufgabe, bis zur nächsten Mitgliederversammlung in Düsseldorf im Dezember 2018 eine Position/Strategie zu erarbeiten, an der sich Sportvereine und –verbände orientieren können.

Vertreter aus Sportverbänden, eSport, Wissenschaftler und Sportrechtler befassen sich unter medienpädagogischen, sportwissenschaftlichen, medizinischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Fragestellungen mit eSport. Parallel zur Arbeit der AG empfiehlt der DOSB den Sportvereinen zu prüfen, ob die Gründung von eSport-Abteilungen eine sinnvolle Ergänzung ihrer Vereinsarbeit darstellt. 

Kann am Ende dieses Prozesses die Aufnahme von eSport in den DOSB stehen?

Noch einmal Veronika Rücker im dpa-Interview: „Die Frage der Aufnahme eines eSport-Verbandes in den DOSB stellt sich zur Zeit nicht, weil uns gar kein Antrag vorliegt. Wir spüren, dass eSport viele bewegt, das Thema wird überall diskutiert. Diese Diskussion wollen wir bündeln, zusammenführen und eine Position entwickeln, die wir dann vertreten.“

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beobachtet die Entwicklung

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beobachtet die Entwicklung von eSport aufmerksam und steht im Austausch mit Weltverbänden und Ausrichtern künftiger Olympischer Spiele. Im Juli 2018 brachten das IOC und der Weltverband der Internationalen Sportverbände (GAISF) auf einem eSport-Forum in Lausanne Vertreter des Olympischen Sports mit Branchenvertretern des eSports und Gamern zusammen. Erklärtes Ziel der Veranstaltung war es, Gemeinsamkeiten auszuloten und die Grundlage für den künftigen Dialog zu schaffen.

IOC-Präsident Thomas Bach verwies in Lausanne auf gemeinsame Werte: “Die Leidenschaft ist eindeutig das, was uns zusammenbringt", sagte Bach: "Wir müssen diese zentralen, gemeinsamen Werte richtig identifizieren und von dieser Position aus weitermachen." Eine deutliche Abgrenzung nahm der IOC-Präsident gegenüber Ego-Shooter-Spielen vor: „Wir haben eine rote Linie, wenn es um eine Aktivität geht, bei der es um die Verherrlichung von Gewalt oder Diskriminierung geht. Die kann nicht überschritten werden. Da sind wir uns absolut klar." Bis zu einer Entscheidung über eine Aufnahme von eSports in das olympische Programm sei es jedoch noch ein langer Weg, über den frühestens sein Nachfolger zu entscheiden habe: „Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir eine Reihe von offenen Fragen beantwortet haben. Bis dahin macht es keinen Sinn über die Aufnahme ins olympische Programm zu sprechen.“

Der eSport-Bund Deutschland (ESBD) zog nach dem Treffen ein positive Bilanz: „Der internationale Charakter dieses Treffens hat viel Eis aufgebrochen und zu einer sehr konstruktiven Gesprächsatmosphäre geführt, die sich auf die Gemeinsamkeiten zwischen der Olympischen Bewegung und eSport konzentriert hat", sagte ESBD-Präsident Hans Jagnow.

eSport-Forum in Lausanne. Foto: IOC/Greg MartinIOC eSport-Forum in Lausanne

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) diskutierte im Juli 2018 auf einem eSport-Forum in Lausanne mit Branchenvertretern und Gamern über Verbindendes und Trennendes in eSport und Olympischem Sport. 

IOC-Präsident Thomas Bach verwies auf einer Pressekonferenz auf gemeinsame Werte: “Die Leidenschaft ist eindeutig das, was uns zusammenbringt", sagte Bach. "Wir müssen diese zentralen, gemeinsamen Werte richtig identifizieren und von dieser Position aus weitermachen." Eine deutliche Abgrenzung nahm der IOC-Präsident gegenüber Ego-Shooter-Spielen vor: „Wir haben eine rote Linie, wenn es um eine Aktivität geht, bei der es um die Verherrlichung von Gewalt oder Diskriminierung geht. Die kann nicht überschritten werden. Da sind wir uns absolut klar." Bis zu einer möglichen Entscheidung über eine Aufnahme von eSports in das olympische Programm sei es jedoch noch ein langer Weg, über den frühestens sein Nachfolger zu entscheiden habe: „Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir eine Reihe von offenen Fragen beantwortet haben. Bis dahin macht es keinen Sinn über die Aufnahme ins olympische Programm zu sprechen.“

Der eSport-Bund Deutschland (ESBD) zog nach dem Treffen eine positive Bilanz: „Der internationale Charakter dieses Treffens hat viel Eis aufgebrochen und zu einer sehr konstruktiven Gesprächsatmosphäre geführt, die sich auf die Gemeinsamkeiten zwischen der Olympischen Bewegung und eSport konzentriert hat", sagte ESBD-Präsident Hans Jagnow.

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